Die ersten zehn Monate nach Gretas Geburt waren Familienglück pur: unbeschwerte Ferien an der Nordsee, Besuche bei den Großeltern, Ausflüge ins Grüne. Fünf Jahre lang hatten sich Kerstin Reidemeister-Vogelmann und Thomas Vogelmann sehnlichst Nachwuchs gewünscht und die Hoffnung fast aufgegeben. Und dann kam Greta Marie. Geboren am 21. Dezember 2001. Das schönste Weihnachtsgeschenk.
„Greta war von Anfang an quietschfidel, aufgeweckt und pflegeleicht. Alle waren begeistert von ihr“, erzählt die Mutter. Zugleich entwickelte das Kind aber auch Auffälligkeiten, die die gelernte Krankenschwester mit Sorge erfüllten. „Greta trank Unmengen von Fläschchen, hatte ständig Durchfall und blieb in ihrer Motorik langsam aber sicher hinter Gleichaltrigen zurück.“ Jedes Kind entwickele sich eben anders, meinte die Kinderärztin. Als Greta dann noch einen Husten bekam, der einfach nicht wegging, wollte die Kölnerin eine ärztliche Zweitmeinung hören. Zufall oder Schicksal? Der Kinderarzt war auf Mukoviszidose spezialisiert, hörte Greta husten, fragte nach Durchfällen und machte umgehend einen Schweißtest, der seine Verdachtsdiagnose bestätigte: Mukoviszidose. „Ich hatte das Gefühl, als würde mir der Boden unter den Füßen weggezogen“, sagt die 36-Jährige, der in der eigenen als auch in der Familie ihres Mannes kein Erkrankungsfall bekannt war.
Greta wurde an die Mukoviszidose-Ambulanz der Kölner Uni-Kinderklinik überwiesen. Die Versorgung mit Medikamenten, Kontrolluntersuchungen und Rachenabstrichen war im Nu geregelt. Aber damit war es nicht getan. Um den zähen Schleim leichter abhusten zu können, muss Greta mehrmals täglich zu Hause mit einer Nasenmaske inhalieren. Um die Atmung zu stimulieren und den Brustkorb elastisch zu halten, macht Kerstin Reidemeister-Vogelmann mit ihrer Tochter jeden Tag noch Krankengymnastik, die sie ins Spielen integriert.
„Alles braucht unendlich viel Zeit“, sagt die junge Mutter, die seit Jahren für Pharma-Firmen freiberuflich klinische Studien begleitet. Eine Aufgabe, die mit Geschäftsterminen und Reisen verbunden ist. „Mein erster Gedanke war, die Arbeit aufzugeben“, so die Kölnerin. „Aber dann hätte ich mich nur noch auf Gretas Krankheit konzentriert.“
Mit „praktischer und moralischer Unterstützung“ von Großeltern, Tagesmutter und Freunden, mit Nachtschichten, Wochenendarbeit und der ständigen Organisation von Kinderbetreuung bewältigt das Ehepaar den äußerst anstrengenden Alltag. Thomas Vogelmann (41), von Beruf Rückversicherungsmakler, packt an, wo er kann. Das größte Problem sei der Umgang mit der Krankheit selber, sagt Kerstin Reidemeister-Vogelmann. „Das Leben ist für die Kranken hart und mit Einschränkungen verbunden. Dazu endet es meistens früh“, ergänzt ihr Mann.
Um mit dem „Damoklesschwert“ leben zu lernen und „aus der Trauer herauszuwachsen“ wird das Ehepaar psychotherapeutisch begleitet. „Die Ungewissheit über den Verlauf der Erkrankung und die Bewältigung akuter Krisen kosten unglaublich Kraft. Wir möchten für Greta aber Bedingungen schaffen, dass sie fröhlich und nicht überschattet von vorzeitiger Trauer aufwächst“, betonen die Eltern.
Damit die medizinische Versorgung an der Kölner Uni-Klinik erhalten bleibt, investiert Kerstin Reidemeister-Vogelmann ihre ohnehin knappe Zeit noch für den neuen Förderverein, in die Werbung um Sponsoren, Projekt-Paten und Aufklärungsarbeit über Mukoviszidose. „Ich musste das einfach tun“, sagt sie, „um der Krankheit nicht ganz tatenlos ausgeliefert zu sein.“
„Frau TV“ berichtet am 14. Mai, 22 Uhr, im WDR über Kerstin Reidemeister und ihr Engagement für den Förderverein.