Hennef – Erst war es eine Meinungsverschiedenheit, dann ein handfester Streit. Am Ende ist ein 44 Jahre alter Mann tot, angeschossen von einem Polizisten, verstorben bei der anschließenden Notoperation im Krankenhaus. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft Bonn gegen den Beamten wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung.Zwischen 17 und 18 Uhr am Himmelfahrtstag ist es voll in einer Diskothek in Hennef. Viele Besucher, überwiegend Männer, feiern ausgelassen eine Vatertagsparty, als zwei Gruppen sich zu streiten beginnen. „Wegen Kleinigkeiten, es ging um nichts“, erzählt ein 38-jähriger Mann. Als er sich eine halbe Stunde nach dem Streit im Restaurant des Hauses etwas zu essen bestellen will, folgen ihm Männer aus der Gruppe, die sich zuvor gestritten hatte. Ohne Vorwarnung sollen die fremden Männer auf den 38-jährigen Hennefer eingeprügelt haben, geben Zeugen später der Polizei zu Protokoll. Einer der mutmaßlichen Schläger zog einen Teleskopschlagstock aus dem Hosenbund und verletzte den 38-Jährigen schwer an Kopf und Gesicht. Ehe die mutmaßlichen Täter flüchteten, soll einer gedroht haben „Ich knall euch ab.“ Die Drohung und den Einsatz des Schlagstockes teilten Zeugen per Notruf der Polizei mit.
Nur wenige Minuten später ist eine erste Streifenwagenbesatzung am Ort. Augenzeugen berichten, was dann geschah. Polizeisprecher Eckard Gieseler fasste am Abend zusammen: „Die beiden Polizisten haben zwei flüchtige Personen verfolgt und im Bereich eines Supermarktparkplatzes stellen können. Da die Kollegen Hinweise hatten, dass einer der Männer eine Waffe haben sollte, eine Pistole, waren sie entsprechend vorsichtig eingestellt.“Während einer der Flüchtenden den Anweisungen der Polizei folgte, soll sich die zweite Person nicht von den Polizisten beeindruckt haben lassen. Plötzlich habe der Mann laut Zeugenberichten ruckartig an seinen hinteren Hosenbund gegriffen. Ein erfahrener Polizeihauptkommissar gab daraufhin einen Schuss aus seiner Dienstwaffe ab. Zum Selbstschutz, wie Polizeikollegen vor Ort erklärten. Die Kugel traf den 44-jährigen Mönchengladbacher in den Bauch. Trotz sofort eingeleiteter Rettungsmaßnahmen und Erster Hilfe durch die Polizisten gelang es den Ärzten nicht, das Leben des Mannes zu retten. Er starb nach fast zweistündigen Rettungsmaßnahmen im Krankenhaus.Auch am Tag danach gibt sich die Staatsanwaltschaft zugeknöpft. Zum Alter des Polizisten, der geschossen hatte, ebenso wie zum Wohnort, Familienstand des Getöteten und ob dieser unter Alkoholeinfluss stand, macht Oberstaatsanwalt Fred Apostel auch auf Nachfrage der Rundschau keine Angaben. Dies müssten die weiteren Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft sowie die Obduktion zeigen. Eine Waffe fand man bei dem 44-Jährigen nach Angaben von Apostel nicht.
