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Nach Explosion„Trauer und Ohnmacht ausgenutzt“

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In dem zerstörten Haus in der Pingsdorfer Straße kamen im Dezember 2010 drei Menschen ums Leben. (Foto: Jeske)

BRÜHL – In Zusammenhang mit den Beerdigungskosten für die Opfer des Explosionsunglücks in der Pingsdorfer Straße erheben der Bruder und die Schwester der verunglückten Frau schwere Vorwürfe gegen den Bestatter Roland Hellenthal aus Elsdorf. „Er hat die Trauer und die Ohnmacht schamlos ausgenutzt und noch am Unglücksabend gefragt, ob wir bei ihm einen Vertrag unterschreiben“, erklären Hartmut Kork und Gudrun Meyer. Hellenthal weist die Vorwürfe zurück und sagt, er habe niemanden zu einer Unterschrift gedrängt, sondern erst Tage später einen Vertag mit den Angehörigen geschlossen.

Bei der Tragödie im Dezember 2010 waren der Vater und die Schwester von Tobias (13) und Marc (17) sowie die Lebensgefährtin des Vaters ums Leben gekommen. Die beiden Brüder leben seitdem bei ihrem Onkel, der Familie Fischer. Hellenthal war bei dem Unglück als Feuerwehrmann vor Ort und sollte als Mitglied einer Psychosozialen Unterstützungseinheit (PSU) die Einsatzkräfte betreuen. Um die Angehörigen sollten sich die Notfallseelsorger kümmern. „Einer der Angehörigen wollte aber nicht von einem Geistlichen betreut werden“, erinnert sich Kreisbrandmeister Heinz-Peter Brandenberg. Deshalb habe man jemand anderen abgestellt. Ob sich deshalb Hellenthal der Angehörigen angenommen habe, konnte er nicht mehr sagen. Brandenberg betonte aber: „Wir helfen den Leuten und nutzen so eine Situation nicht aus. Wenn ein Mitglied einer PSU-Einheit bei so einem Unglück Geschäfte macht, geht das gar nicht.“

Beerdigung kostete 23 000 Euro

Die Beerdigung der drei Opfer hat rund 23 000 Euro gekostet. Davon entfallen mehr als 7000 Euro auf die Stadt Köln, wo die Opfer beerdigt wurden, und rund 16 000 Euro auf Hellenthal. Der ist der Pflegefamilie nach eigenen Angaben nun entgegengekommen und hat seine Forderung auf 12 000 Euro reduziert. Die Pflegeeltern haben aber wohl nicht die finanziellen Mittel, um die Rechnungen zu begleichen. Die Stadt, die die rund 170 000 Euro Spendengelder verwaltet, will nur 4000 Euro von den Kosten übernehmen und betont, dass das Geld für die Zukunftssicherung der Kinder gedacht sei.

„Am Morgen nach dem Unglück wollte Hellenthal noch in Feuerwehruniform eine Unterschrift von mir haben. Dann könne er sich um alles kümmern“, erinnert sich Kork. Er habe daraufhin mit seiner Frau telefoniert, und die habe ihm abgeraten, irgendetwas zu unterschreiben. Der Bestatter erklärt dagegen, er habe erst am nächsten Abend nach dem Unglück im Rahmen einer Abschlussbesprechung im Ramada-Hotel den Hinterbliebenen erläutert, wie die Bestattung durchgeführt werden könne. „Hellenthal hat uns immer wieder gesagt, machen sie sich keine Gedanken, die Bestattungskosten übernimmt die Versicherung’“, erzählen Kork und Meyer. „Dabei wusste niemand, welche Versicherungen abgeschlossen wurden, weil es keine Unterlagen mehr gab“, sagt Meyer. Hellenthal stellt das anders dar. „Ich habe gesagt, wenn eine Gebäudehaftpflicht vorhanden ist, übernimmt die die Kosten.“

„Wir waren geplättet, als wir sahen, wie pompös die Beerdigung war“, erzählen Meyer und Kork. Jeder der drei Särge habe rund 3000 Euro gekostet. „Einen guten Kiefernsarg bekommt man für 1300 Euro“, so Meyer. „Der Sarg des Mädchens war in ein riesiges Herz aus weißen Rosen eingebettet. Ich war schon bei mehreren Beerdigungen, aber so etwas habe ich noch nie gesehen“, sagt Meyer. Mehrere Positionen wie das Schmücken der Kirche oder die Überführung der Särge habe Hellenthal auf allen drei Rechnungen aufgeführt. Allein die Blumen hätten 850 Euro gekostet. „Weder die Fischers noch wir haben die Särge oder die Blumen ausgesucht. Alles hat Hellenthal in Eigenregie gemacht“, berichtet Meyer. „Beim Termin für das Aussuchen der Särge hatten die Fischers keine Zeit“, so Hellenthal. Er habe dann Fotos gemacht und diese den Fischers zur Verfügung gestellt. Er habe alles mit der Familie abgesprochen und niemanden über den Tisch gezogen. Meyer und Kork hätten sich um nichts gekümmert und seien schon auf dem Rückweg nach Hannover gewesen.

Kurz danach bekamen sie dann aber wegen der Beerdigungskosten Post von einem Abrechnungsdienst. „Ich habe dort angerufen und erklärt, dass wir nie einen Vertrag unterschrieben habe. Daraufhin habe ich nichts mehr von dem Unternehmen gehört“, sagt Meyer. „Die Firma Adelta Finanz ist kein Inkassounternehmen, sondern eine Firma, die die Bestatter bezahlt und dann mit den Hinterbliebenen abrechnet“, betont Hellenthal.

Auf die Frage, warum er die Beerdigung so teuer ausgerichtet habe, obwohl er schon wusste, dass die Hinterbliebenen keine reichen Leute sind, sagte Hellenthal: „Zu dem Zeitpunkt lagen schon 40 000 Euro auf dem Spendenkonto.“ Und er habe schließlich ja auch dafür gesorgt, dass im WDR und in einer bundesweit erscheinenden Boulevardzeitung über die beiden Brüder berichtet und so die Spendenbereitschaft angekurbelt worden sei. „Wir bereuen es zutiefst, dass wir meine Schwester nicht an unseren Wohnort bei Hannover überführt haben“, sagt Meyer. Nächste Woche will sie das Grab ihrer Schwester in Köln besuchen.

Auch die Stadt Brühl ist der Meinung, dass die Beerdigungskosten sehr hoch und das Vorgehen Hellenthals sehr zweifelhaft ist. Das erklärte der Pressesprecher der Stadt, Gerd Schiffer. Er will sich nun mit Frau Meyer treffen.