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Nazis und Christen im „Ley-Land“

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NÜMBRECHT. Das Thema ist aktueller denn je - und entsprechend groß war auch die Resonanz. Auf Anregung des Kölner Verlegers Dr. Hans-Martin Schmidt, der in der Gemeinde Nümbrecht seinen zweiten Wohnsitz hat, richtete der Kirchenkreis An der Agger im Nümbrechter Gemeindehaus eine Vortragsreihe „Christliches Leben im Homburger Land“ aus. Die vier Referate mit Diskussion zu den Themenkomplexen „Von der Reformation bis Ende des 18. Jahrhunderts“ (Ulrich Melk, Wiehl), „Die Erweckungsbewegung“ (Pfarrer Wolfgang Becker, Nümbrecht), „Die Zeit des Nationalsozialismus“ (Dr. Hans Horn, Waldbröl) und „Die Zeit nach dem 2. Weltkrieg“ (Pfarrer i. R. Burkhard Preis, Wiehl) fanden reges Interesse. Die Leitung der Vortragsreihe lag in den Händen von Prof. Dr. Klaus Goebel (Wuppertal).

Die Ausführungen von Hans Horn, der die Zeit des Nationalsozialismus im Homburger Land als Historiker und Intimkenner der Kirchenszene beleuchtete, waren am brisantesten und fanden auch das größte Echo bei den Zuhörern. Horn bestätigte wesentliche Erkenntnisse über die Entwicklungen, die bereits der verstorbene Heinz-Wilhelm Brandenburger in seiner Dissertation „Ley-Land“ herausgefunden hatte, und die Ende der 80er Jahre zu lebhaften Debatten im Südkreis geführt hatten. Unbestritten sei, dass nationalsozialistisches Gedankengut Ende der 20er und Anfang der 30er Jahre bei vielen evangelischen Pfarrern im Homburger Land (beispielsweise Karl Stegemann / Wiehl und Johannes Conrad / Nümbrecht) auf fruchtbaren Boden fiel.

Horn, der auch Mitglied der Kirchenleitung der Rheinischen Landeskirche ist, fand durch Quellenforschungen aber auch neue, bisher unbekannte Erkenntnisse über die NS-Zeit im Homburger Land heraus. So muss es in Nümbrecht ein gutes Einvernehmen zwischen Christen und Juden gegeben haben. So hob 1928 beim 100-jährigen Jubiläum der Nümbrechter Synagoge der Synagogensprecher Eugen Goldbach nach Zeitungsberichten das „harmonische Verhältnis“ der Juden in Nümbrecht mit ihren christlichen Mitbürgern hervor.

Unbestritten, dass die Nazis im Homburger Land schon sehr früh überdurchschnittliche Wahlergebnisse einfuhren. Unbestritten auch, dass es Wechselwirkungen zwischen der NS-Bewegung und den evangelischen Gemeinden gab, wobei die Person Dr. Robert Ley mit seiner Propaganda vom „Positiven Christentum“ eine maßgebliche Rolle spielte.

Unbestritten aber auch, so machte Horn deutlich, dass einige evangelische Pfarrer schon früh auf Distanz zu der NS-Bewegung gingen (zum Beispiel Hans Kirchhoff / Marienberghausen und der spätere Superintendent Johannes Fach / Marienhagen, ein führender Vertreter der Bekennenden Kirche) und es später aus christlicher Überzeugung sogar „Widerstand“ gegen Hitler gab. Dieser sei allerdings graduell sehr verschieden gewesen. Selbst Stegemann, der 1934 noch offen für Hitler geworben hatte, sei immer mehr von den braunen Ideologie abgerückt und 1935 sogar selbst ins Visier der Gestapo geraten.

Bei allem Mut, den speziell die Bekennende Kirche gezeigt habe, kam Hans Horn zu dem Fazit, dass viele Kirchengemeinden im Homburger Land von der NS-Bewegung überrollt wurden, sie seien aber nicht pervertiert und instrumentalisiert worden.

Ein interessanter Vortrag, der dennoch noch viele Fragen offen ließ. Eine weitere Aufbereitung dieses brisanten Themas scheint geboten - und wurde teilweise auch von den Zuhörern gefordert.