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Neue MasthallenBiogasanlage soll Putenmast heizen

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Tausende Küken leben schon auf dem Meerhof. Ihre Welt ist eine geheizte Halle. (Fotos: Reinnarth)

Tausende Küken leben schon auf dem Meerhof. Ihre Welt ist eine geheizte Halle. (Fotos: Reinnarth)

Euskirchen – 14.000 Puten leben bereits auf dem Meerhof an der Monikastraße zwischen Palmersheim und Rheinbach. Rainer von Meer will den Bestand auf 38 520 vergrößern. "Unsere Biogasanlage für die Regionalgas Euskirchen geht jetzt bald in Probebetrieb. Wir können die Wärme, die dort anfällt, ideal für die Aufzucht von Küken nutzen", erklärt der Landwirt. Von der künftigen Anlage gibt es schon ein Modell, das zeigt, wie groß die drei Hallen werden, die gleich westlich des Hofes errichtet werden sollen.

Jede wird eine Traufhöhe von sechs Metern und eine Firsthöhe von zehn Metern haben. "Das ist weit mehr als üblich und vorgeschrieben. Normalerweise baut man für die Putenmast wesentlich kleiner, aber wir haben hier Wärme genug und wollen vor allem, dass es den Tieren gut geht", sagt von Meer. Laut Plan stehen den Puten an der Monikastraße dann 8,5 Kubikmeter Luft je Quadratmeter zur Verfügung. Üblicherweise, so von Meer, seien es nur fünf.

Die aktuelle Kükengeneration, die in einem der alten Gebäude lebt, ist etwa vier Wochen alt. "Die Lebenserwartung liegt bei 18 bis 21 Wochen - je nach Marktlage", sagt von Meer. Die Nachfrage nach Putenfleisch sei enorm.

Wann er denn nun baut? "Ohne Genehmigung keine Finanzierung", sagt von Meer. Zwar sei keine Bürgerbeteiligung vorgeschrieben, aber die öffentlichen Vorbehalte gegen die Massenhaltung von Tieren seien so groß, dass man das nicht genau planen könne. Mit dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW sei er sich einig. Eine grundsätzliche Eignung der Außenfläche nach dem Bundes-Immissionsschutzverfahren sei schon für die Biogasanlage nachgewiesen. Die Biogasanlage soll übrigens im Juli fertig werden. 100 Prozent des Putenkots will von Meer dort verwerten. "Das ergibt einen Dünger für meine Felder, der nicht mehr stinkt - also ein perfekter Nahrungskreislauf." Allerdings will von Meer das Futter für die Puten hauptsächlich zukaufen, auf keinen Fall aber gentechnisch veränderte Ware. "Ich würde lediglich Weizen beifüttern."

Antibiotika seien nicht vorgesehen. "Hier ist ein Gesund-Standort, weil kein Vieh in der Nähe ist, das für eine Keimbelastung sorgen würde." Das gelte auch für die Menschen in der Nachbarschaft. "Wir haben das gemessen. Odendorf ist 1,5 Kilometer weg, Oberdrees zwei Kilometer, Palmersheim noch weiter. Aber schon in 800 Metern kann man in der Luft nichts mehr feststellen." Genau darum seien die Anlagen auf dem Schornbusch errichtet worden.

Gegner sprechen von "Turbomast"

Gegner von Massentierhaltung sind aber skeptisch. Grünen-Ratsfrau Dorothee Kroll aus Palmersheim etwa sagt: "Wo viele Tiere sind, werden immer Antibiotika eingesetzt."

Sie beruft sich auf Fernsehbeiträge öffentlich-rechtlicher Sender sowie die Bundeszentrale für Politische Bildung. Sie spricht von "Turbomast", "schrecklich abgeschnittenen Schnäbeln", "genmanipuliertem Futter" und "Agrarfabriken".

Zudem beklagt sie, dass keine Filter für die Abluft vorgeschrieben seien, was die Gefahr von Atemwegserkrankungen mit sich bringe. Kroll: "Die Gesetzeslage ist nicht hart genug."

"Schnabelspitzen werden nicht abgeschnitten", erklärt von Meer. "Die Küken, die wir geliefert bekommen, sind - soweit ich das weiß - am Tag ihres Schlüpfens gegen ein heißes Eisen gedrückt worden, damit der Schnabel nicht spitz ist. Sie würden sich nämlich sonst vor lauter Langeweile picken und verletzen."

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