BONN. Menschen, deren Nachnamen mit der Buchstabenkombination Mc beginnt, sind nicht gerade für ihre Großzügigkeit bekannt. Der Mediziner Professor Derek McMinn ist da keine Ausnahme. Der Engländer allerdings hat sich den Geiz zunutze gemacht und ein neues künstliches Hüftgelenk entwickelt, das im Vergleich zum herkömmlichen Verfahren in punkto Schmerzen, Operationsdauer und Dauer des Krankenhausaufenthaltes als äußerst sparsam bezeichnet werden kann. In Bonn wird das neue Verfahren zur Implantation künstlicher Hüftgelenke im Gemeinschaftskrankenhaus St. Elisabeth / St. Petrus / St. Johannes angewandt.
Anfragen aus
ganz Deutschland
Aus ganz Deutschland kommen nach Aussage von Dr. Bernd Kreklau, Chefarzt der Unfallchirurgie im Gemeinschaftskrankenhaus, Anfragen für die neue Methode. Drei Patienten wurde die so genannte Hüftkappen-Totalendoprothese in Bonn bereits eingesetzt. Sie konnten das Krankenhaus nach etwa fünf Tagen wieder verlassen.
Im Gegensatz zum herkömmlichen Verfahren muss bei der McMinn-Methode der Hüftkopf nicht mehr abgesägt werden. Er wird nur soweit bearbeitet, dass er mit einer Kappe aus Metall überkront werden kann - ähnlich einer Zahnkrone. Die Hüftpfanne als Gegenstück wird mit einer dünnwandigen Metallschale ausgekleidet, ein zwischen den Metalloberflächen laufender Flüssigkeitsfilm minimiert den Abrieb. Die Operation ist deutlich kürzer, die Schnitte sind kleiner, der Patient erleidet weniger Blutverlust und Schmerzen und erholt sich deutlich schneller, fasst Kreklau die Vorteile der Methode zusammen. Da nur die abgenutzten Oberflächen des Gelenks ersetzt und Kopf und Hals des Oberschenkelknochens nicht mehr entfernt werden, ist die neue Hüfte sehr belastbar und beweglich. Tauglich ist die Methode bislang nur für Patienten, die jünger als 60 Jahre sind und die über eine gesunde Knochensubstanz verfügen.
Das Gemeinschaftskrankenhaus will mit dem Angebot seinen Schwerpunkt im Bereich Gelenkoperationen weiter ausbauen. Schon jetzt werden in der Klinik etwa 1200 Prothesen von Knie-, Hüft-, Schulter- oder Sprunggelenk pro Jahr implantiert. Allein in St. Elisabeth standen im vergangenen Jahr 150 Hüftgelenksimplantationen auf dem OP-Plan. Wir gehören damit in diesem Bereich zu den 20 größten Kliniken in Europa, sagt Kreklau. Ab dem 1. Januar 2005 sollen im Gemeinschaftskrankenhaus die Abteilungen für Unfallchirurgie und Orthopädie zu einem Zentrum für Unfallchirurgie und Orthopädie zusammengelegt werden, um den Schwerpunkt weiter zu stärken. Wir sind die erste Klinik in Bonn, die diesen Schritt geht, kündigt Kreklau an. International habe es die in Deutschland klassische Trennung dieser Abteilungen nie gegeben. Überhaupt lohnt sich laut Chefarzt Dr. Bernd Kreklau der Blick ins Ausland - auch in Sachen Hüftoperationen: In den USA hat man schon Patienten morgens eine neue Hüfte eingesetzt und sie abends nach Hause entlassen. Das wird bei uns eines Tages auch so kommen.