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Neuer Verein in GründungMöbellager kämpft ums Überleben

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Katharina Höllerarbeitet noch als ABM-Kraft für das Lindlarer Möbellager.(Fotos: Schmitz)

LINDLAR – Das Möbellager am Sägewerk in Lindlar bietet nicht nur gebrauchte Möbel, Lampen und Wohnungsinventar für kleines Geld, sondern auch Arbeitsplätze. Zur Zeit sind dort zwei Festangestellte und drei ABM-Kräfte (siehe Infokasten) beschäftigt, außerdem ein Mini-Jobber. Menschen, die auf dem ersten Arbeitsmarkt kaum eine Chance haben. Sie stehen jetzt vor einer ungewissen Zukunft. Denn der „Verein für Soziale Dienste“ in Bergneustadt (VfSD), der das Möbellager seit über fünf Jahren als Trägerverein betreibt, hat den Beschäftigten gekündigt, ebenso den Mietvertrag.

Günter Seitz, 54 Jahre alt, leitet das Lager, dass er selbst mit aufgebaut hat. Er ist verbittert, vor allem über die Informationspolitik des VfSD. „Ich habe im Dezember vom Vermieter, der Firma Automedon, von der Kündigung erfahren.“ Ich selbst wurde mündlich gekündigt und habe bis heute nichts Schriftliches erhalten.“ Katharina Höller, 24 Jahre, arbeitet seit Mai 2011 für das Möbellager. Sie putzt, räumt auf und dekoriert dort. „Ich weiß auch nicht, wie es jetzt weiter gehen soll. Ich mache mir große Sorgen.“Friedhelm Julius Beucher ist Vorsitzender des VfSD. „Das Möbellager Lindlar ist defizitär. Der Verein für Soziale Dienste kämpft ums Überleben. Wir haben unsere Rücklagen in rasender Geschwindigkeit aufgebraucht und versuchen jetzt, den Gesamtverein zu retten. Das zentrale Problem ist der Wegfall der Arbeitsförderungsmaßnahmen. Wir hatten früher über 100 Ein-Euro-Kräfte, jetzt sind es noch 13. Von 30 AMB-Stellen sind gerade einmal sechs übrig geblieben.“Hauptschuldiger ist für Beucher das Bundesministerium für Arbeit und Soziales: „Das Ministerium vertritt eine andere Philosophie der Arbeitsförderung. Bestimmte Menschen bleiben außen vor.Menschen am Ende der Skala, um die sich keine Sau kümmert. Das ist ein politischer Skandal.“ Die Klientel ohne Berufsausbildung und Schulabschluss habe die Gesellschaft abgeschrieben.

Das Möbellager in Lindlar steht auf dem früheren BauhofGelände. Solange das Grundstück der Gemeinde Lindlar gehörte, brauchte der Verein keine Miete zu zahlen. Doch nach dem Umzug des Bauhofs nach Klause verkaufte die Gemeinde Lindlar das Grundstück an die Automedon AG. Seitdem zahlt der VfSD Miete. „Wir haben noch versucht, eine Reduzierung der Miete zu erreichen“, sagt Beucher, „leider ohne Erfolg.“Günter Seitz widerspricht energisch: „Der Verein hat mich beauftragt, mit Automedon zu verhandeln. Der Vermieter war bereit, die Miete um 50 Prozent zu reduzieren. Aber der VfSD wollte gar keine Miete mehr zahlen.“

Für Seitz – und wohl auch für einige andere Beschäftigte – ist das Möbellager viel mehr als nur ein Job. Und deshalb wollen er und seine Kollegen nicht einfach aufgeben, sondern kämpfen. Ihre Idee: Ein eigener „Verein Sozialer Dienste Lindlar“ soll künftig das Möbellager führen. Die Gründungsversammlung des Vereins fand gestern Abend nach Redaktionsschluss statt. Seitz, der selbst im Vorstand des neuen Vereins mitarbeiten will, erklärt das Konzept. „Wir wollen uns finanzieren über den Verkauf von Möbeln, über Mitgliedsbeiträge und Spenden. Wir wollen mit Ehrenamtlern arbeiten, gehen aber davon aus, dass wir mit den Einnahmen auch mehrere Beschäftigte bezahlen können.“ Auch der Vermieter wolle den neuen Verein unterstützen.Verwundert zeigt sich gestern der Verwaltungsvorstand der Gemeinde Lindlar. Weder Oliver Flohr, Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters, noch Stephan Windhausen, Fachleiter Soziales, wurden über die Kündigung und die bevorstehende Vereinsneugründung informiert. EinzigManfred Kümper als stellvertretender Bürgermeister erhielt am Vorabend eine Einladung zur Gründungsversammlung. „Aus terminlichen Gründen musste ich leider absagen“, erklärt Kümper. Oliver Flohr betont, die Gemeinde sei stets zu Gesprächen bereit.

Friedhelm Julius Beucher wünscht dem neuen Verein alles Gute: „Ich freue mich, dass es Menschen gibt, die für das Möbellager die Initiative ergreifen und es unterstützen. Wir können es nicht mehr.“