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Niemand hat Nathalie vermisst

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DUISBURG. Niemand hat die kleine Nathalie vermisst. Zehn Monate lang lag die Leiche des vierjährigen Mädchens in einem feuchten Erdloch. Erst als sich ihr Stiefvater im Juni vergangenen Jahres doch noch an die Polizei wandte, wurde ihr fast schon verwester Körper wieder ausgegraben. Gestern wurde der 39-Jährige vom Duisburger Schwurgericht zu neun Jahren Haft verurteilt. Die Mutter (33) des Kindes bestraften die Richter mit sieben Jahren Haft. Sie hatte mitbekommen, wie ihre Tochter verprügelt wurde und dann zugesehen, wie Nathalie langsam gestorben war. Keiner hatte einen Arzt gerufen.

Zwei Tage und drei Nächte hatte Nathalie gegen den Tod gekämpft. Dann schloss sie ihre Augen für immer. Als ihr Stiefvater sie eines Morgens im August 2004 aus dem Kinderbett holen wollte, war ihr kleiner Körper schon ganz kalt.

„Ich schäme mich“, sagte der 39-Jährige

Der Angeklagte packte den leblosen Körper in eine Reisetasche, setzte sich auf sein Fahrrad und fuhr zu einem Brachgelände in der Nähe des Duisburger Autobahnkreuzes Kaiserau. Dort hob er ein Loch aus und legte die Kinderleiche hinein.„Ich schäme mich“, hatte der 39-Jährige den Richtern im Prozess gesagt. Der Mutter des Kindes liefen immer wieder Tränen über das Gesicht. Nathalie war das dritte von vier Kindern, die sie zur Welt gebracht hat. Das erste lebt bei einer Pflegefamilie, das zweite starb angeblich den plötzlichen Kindstod. Und das jüngste ist nun auch in der Obhut des Jugendamtes. Geschlagen habe sie ihre Tochter nicht, erklärte sie. Nathalies Stiefvater schüttelte bei solchen Aussagen nur den Kopf. „Nathalie hat sich ständig eingenässt und wollte nicht richtig essen“, sagte der 39-Jährige den Richtern. Und auch die Mutter habe zugeschlagen.

Es war ein Tag im August 2004, als er schließlich ausrastete. Nathalie hatte angeblich eine Reisetasche umgekippt und eine kleine Nagelschere in das Babybett ihrer Halbschwester geworfen. Da hat er auf sie eingeschlagen - immer wieder. „Am nächsten Tag hat sie den Kopf so komisch gehalten“, sagte er im Prozess. Das Kind sei nicht mehr aufgestanden und habe alles Essen erbrochen. Ein Gerichtsmediziner vermutete, dass es entweder zu einer Hirnschwellung oder zu Blutungen im Kopf gekommen ist.

Die Urteile lauten auf Körperverletzung mit Todesfolge. Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft die beiden Angeklagten sogar wegen Mordes angeklagt. Der Verteidiger der Kindesmutter hat bereits Revision angekündigt.

Nicht einmal die Nachbarn hatten bemerkt, dass Nathalie plötzlich nicht mehr da war. „Es war ein ganz ruhiges Mädchen, man hat es auch früher kaum gesehen“, rechtfertigte eine der Anwohnerinnen ihre Arglosigkeit. (dpa)