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Nöthener „Arche“ für bedrohte Rassen

4 min

Kein Zweifel, der rund 200 Jahre alte Bauernhof, in Nöthen als Stüppe-Hof bekannt, versprüht den Charme der guten, alten Zeit, als Mensch und Tier eng miteinander verbunden waren, als der Hof Lebens- und Arbeitsrhythmus der Menschen bestimmte. Mehr als den berühmten Hauch davon retteten die Erbin des Hofes, Dr. Iris Feuser , Chirurgin, und ihr Ehemann Dr. Martin Solbach , Zahnarzt, in unsere Zeit. Seit 13 Jahren investieren sie jeden Euro, viel Zeit und noch mehr Herzblut in Haus und Hof und führen - außer im Beruf - ein bäuerliches Leben, das mehr vom Lebensrhythmus der Tiere als vom eigenen bestimmt wird. Allerdings auf einem ungleich höheren Niveau und unter anderen Voraussetzungen als in vergangenen Zeiten.

100 Heidschnucken

auf Eifeler Wiesen

Auf einer griechischen Insel fing alles an. Dort lief ihnen ein herrenloser Hund zu, es war Liebe auf den ersten Blick. Das Paar fasste den Entschluss, den Border-Collie mit nach Hause zu nehmen. Die beiden besuchten einen Hütehundewettkampf nach englischem Vorbild - und erlagen vollends der Faszination dieser Rasse. Sie wollten einen arbeitenden Border-Collie kaufen. Doch mit dem Argument „kein Vieh, keinen Hund“ wies eine Züchterin ihr Ansinnen ab - vielleicht, weil der Collie als Modehund und damit entgegen seiner natürlichen Eignung gehandelt wird. „Seine wirkliche Klasse zeigt er nur bei der Arbeit“, so Solbach. Also wurden die ersten fünf Schafe der Rasse „Weiße gehörnte Heidschnucke“ angeschafft und der Grundstein für eine kleine Nebenerwerbs-Landwirtschaft gelegt.

Um die Veranlagung des Collies als „arbeitenden Hütehund“ auszuschöpfen, ließen sich die Nöthener über die „Arbeitsgemeinschaft Border Collie Deutschland (ABCD)“ ausbilden. Mittlerweile hört die zweite Generation Collies mit schottischen und englischen Ahnen auf ihre Kommandos - gepfiffen oder in englischer Sprache. Sie nehmen an Hütewettbewerben teil. Einige Hunde aus Nöthen zählen zu den etwa 30 Besten in Deutschland. Solbach zählt zu den 16 zertifizierten Ausbildern für Hütehunde der ABCD.

Inzwischen weiden rund 100 Heidschnucken auf den Eifeler Wiesen - urige, mittelgroße Schafe mit naher Verwandtschaft zum Mufflon. Sie sind robust, mütterlich und liefern schmackhaftes Fleisch. Zur Kundschaft der Nöthener zählt auch ein deutscher Spitzenkoch.

Als sich die Nöthener für diese Rasse entschieden, spielten zwei Gründe eine Rolle: Sie fanden die Schafe einfach schön, zudem zählen sie zur seltensten Rasse Deutschlands: Sie werden auf der roten Liste der vom Aussterben bedrohter Nutztierrassen unter „extrem gefährdet“ geführt.

An dem Gedanken, bedrohte Haus- und Nutztierarten zu züchten und zu halten, fanden die Ärzte Gefallen. Schon bald fanden die vom Aussterben bedrohten „Bergischen Kräher“, Hühner und Hähne, eine Heimat im „Stüppe-Hof“. Den Namen erhielten sie aufgrund der „Kräh-Rufe“ des Hahns, die sich über bis zu 14 Sekunden erstrecken. Zehn Hühner und ein Hahn leben auf dem Hof. Zu den gefährdeten Arten zählen auch die „Pommern-Enten“ mit ihrem schwarzen Federkleid und dem weißen Latz auf Brust und Vorderhals. Aus der Gegend von Leine / Hannover stammen die „Leine-Gänse“, auch ihre Art gilt als gefährdet. Solbach zufolge gibt es in Deutschland nur etwa 30 Brutpaare; in Nöthen sind es ein Paar und sechs Gössel (Gänseküken).

Zurzeit entsteht ein Offenstall für drei „Schwarzwälder Kaltblüter“, die jedoch meist auf der Koppel sind. Solbach: „Sie sind die Araber unter den Arbeitspferden, stammen aus dem württembergischen Landesgestüt Marbach und gelten als sehr gutmütig.“ Auch die Rasse ist vom Aussterben bedroht. Freya hat im Juni ein Fohlen bekommen, das auf einer Fohlenschau mit einer Silberplakette bewertet wurde. Die Zuchtstuten und ein Wallach werden geritten und gefahren. Pferdehaltung und Kutschfahrt sind eine Reminiszenz an die Geschichte dieses Hofes: Er war einst Poststation, der Urgroßvater der Medizinerin Postkutscher des Dorfes.

Im Freilichtmuseum Kommern treten Solbach und Feuser am „Tag nach der Ernte“ mit ihren Collies auf - am Sonntag, 20. September, gegen 13 Uhr und gegen 15 Uhr.