BENSBERG. Wer die Inschrift entziffern will, muss nah herantreten. Über sieben Jahrzehnte haben die Buchstaben stark verwittern lassen. Frohwalt - Mein stolzer Liebling steht oben auf dem Findling. Und darunter: Nothung - Dem Treuesten der Treuen .Die Inschrift schließt mit Meine besten Freunde. Dicht dabei eine zweite Säule: Hubert Josef Hausmann 1874-1932. Was die Sache noch rätselhafter macht: Die von einem Jägerzaun eingegrenzte Grabanlage liegt im Königsforst. 100 Meter entfernt rauscht die Autobahn.
Zwei Deutsche Doggen, Nothung und Frohwalt, und ein sonderbarer Zeitgenosse haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden. Große Buchen beschatten die Anlage. Seit Allerheiligen schmückt die Gräber ein frisches Blumengesteck mit Trauerflor und rotweißem Wappen der Stadt Köln. Immer an Allerheiligen legt die Stadt Köln zwei Kränze nieder, einen an Hausmanns Grab, einen am Grab der Doggen. Das Kölner Friedhofsamt pflegt die Grabstätte.
Der Königsforst bei Hummelsbroich. Der Wanderweg führt unter der Autobahn durch, am ersten Abzweig (noch vor der Wegegabel) hält man sich rechts. Dann noch gute 400 Meter. Ein unscheinbarer Pfad führt zur Grabstätte. Eigentlich befinden wir uns auf Gladbacher Stadtgebiet, doch die Gräber gehören zu Köln. Als Hausmann 1932 starb, vermachte er das Fleckchen seiner Heimatstadt.
Der Hundefreund und Richard-Wagner-Anhänger war ein wohlhabender Bürger, dem neben dem Besitz im Königsforst auch fünf Häuser in Köln gehörten. Der Junggeselle lebte zurückgezogen mit seinen Doggen Frohwalt und Nothung in der Südstadt (Dasselstraße 45). Eine Bronzetafel erinnert dort noch heute an den großherzigen Gönner.
Nibelungen
sind die
Namensgeber
Die Namen seiner Doggen hat er bei Wagner entlehnt: Frohwalt ist der Wunschname Siegfrieds im Ring der Nibelungen, Nothung bezeichnet das sagenhafte Schwert des Nibelungen.
In seinem Testament vermachte Hausmann Immobilien und auch sein nicht unbeträchtliches Barvermögen der Stadt Köln, mit der Auflage, begabte, junge Musikstudenten aus Köln zu fördern. 1927, noch zu Lebzeiten, rief er dazu eine Josef-Hausmann-Stiftung ins Leben, die laut Stiftungsurkunde junge Musiker mit einwandfreiem Lebenswandel fördern sollte. Diese Stiftung gibt es noch heute. 1953 wurde sie von der Stadt Köln mit anderen Stiftungen zusammengelegt.
Kölns Stadthäupter lud Hausmann testamentarisch ins Waldrestaurant Hummelsbroich zum Reue-Essen nach der Beerdigung ein. 500 Reichsmark hatte er dafür vorgesehen. Auch zahlreiche Musikstudenten fanden sich ein, Musik begleitete das Reue-Essen. Hausmann wurde eingeäschert, seine Urne ruht unter dem Stein.
Auch die damalige Gemeinde Bensberg wurde bedacht: Sie erhielt 2000 Reichsmark zur Grabpflege. Zusätzlich als Geschenk gab es ein Gemälde von Frohwalt. Das Bild gilt heute als verschollen. Vermutlich ist es in den 1950ern bei einem Brand im Bensberger Heimatmuseum zerstört worden.