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„Nur geweint, als der Hund starb“

3 min

Fatbarda A. faltet die Hände und kneift die Lippen zusammen. Es ist 14.04 Uhr, und nach 24 zermürbenden Verhandlungstagen im so genannten „Brudermord-Prozess“ erwartet die 20-Jährige das Urteil: Es lautet acht Jahre Jugendhaft wegen Mordes. Die zierliche Türkin bricht in Tränen aus und weint minutenlang. Heinz M., ihr ehemaliger Liebhaber und Anstifter zu der Bluttat, erhält eine lebenslange Freiheitsstrafe. Der 40-Jährige blickt wie gelangweilt aus dem Fenster.

„Sie haben eine schreckliche Schuld auf sich geladen“, spricht der Vorsitzende Richter Paul Schwellenberg die Angeklagte in seiner Urteilsbegründung direkt an: „Aber sie sind eindeutig auch ein Opfer“. Mehrmals in seinen zweistündigen Ausführungen weist er auf die verzweifelte Lage der 20-Jährigen hin. Fatbarda A. kann dem nur schwer folgen; wie ein Häufchen Elend ist sie in ihrem Stuhl zusammengesunken.

Wie war es im Oktober 2002 dazu gekommen, dass Fatbarda A. ihren Bruder (Spitzname „Bigfoot“) erschoss, den sie sehr verehrte? Der Richter sieht in dem schlechten Verhältnis zum Vater einen wichtigen Grund. „Er unterdrückte und demütigte die junge Frau“, so Schwellenbach. Als sie im Teenager-Alter Heinz M. kennen lernte, der nur ein paar Häuser entfernt wohnte, „traf mich der Schlag“, hatte die Angeklagte berichtet. Fatbarda verliebte sich in den wesentlich älteren Mann. Er gab ihr das, was sie von ihrem Vater nicht bekam: Freundlichkeit, Aufmerksamkeit, Geborgenheit. Der 40-Jährige war die erste große Liebe. Weil die Familie absolut gegen die Beziehung war, verheimlichte das Paar die Affäre drei Jahre. Als ein Freund von Fatbardas Bruder Besnik das Liebespaar in einem Auto sah, eskalierte die Situation. Besnik A. ging vor einem Kiosk auf Heinz M. los und verprügelte ihn vor den Augen zahlreicher Nachbarn. „Das war eine große Demütigung“, sagte Schwellenbach.

Danach habe Heinz M. den Entschluss gefasst, den Bruder von Fatbarda zu töten. Doch er wollte es nicht selber tun und beauftragte die 20-Jährige. „Wenn Du mich wirklich liebst, machst Du es“, soll der Anklagte gesagt haben. Und weil die junge Türkin ihrem Freund quasi hörig war, ließ sie sich darauf ein. „Sie haben auf ein gemeinsames Leben gehofft“, resümierte der Vorsitzende Richter. Denn mehrmals hatte Heinz M. versprochen, sich von seiner Frau zu trennen. Ein Mordversuch am Stadion in Müngersdorf scheiterte, weil die Mutter mit ihm Auto saß. Einen Tag später gaukelte Fatbarda ihrem Bruder am Telefon einen Überfall vor und bat ihm um Hilfe. Besnik A. kam zum Niehler Hafen, Fatbarda stieg in sein Auto und schoss dann während der Fahrt sechs Mal auf ihn.

Heinz M. gilt für die Kammer eindeutig als der Drahtzieher und Anstifter der Tat; der Richter sieht deshalb auch eine besondere Schwere der Schuld. Damit kommt M. nach 15 Jahren nicht automatisch frei. Für den 40-Jährigen fand der Richter in seiner Begründung kein gutes Wort. Der Angeklagte habe lediglich Frauen, Drogen und seinen Fitness-Club im Kopf gehabt: „Nur als Ihr Hund starb, haben Sie geweint“.