BONN / TROISDORF. Viele Jahre hatte er seinen Fetischismus verheimlicht: Das wahre Objekt seiner Begierde waren nicht Frauen, sondern deren Schuhe. Highheels, Pumps oder Stöckelschuhe - sie lösten sexuelle Phantasien aus und setzten den 28-Jährigen allein schon beim Anblick unter Strom. Am Anfang habe es durchaus gereicht, Damenschuhe zu stehlen und sie wie eine Geliebte zu betrachten. Der Drang aber wurde immer stärker: Am Ende soll der 28-Jährige mindestens sieben Frauen auf offener Straße oder in Bonner U-Bahn-Haltestellen überfallen und ihnen die Schuhe von den Füßen gerissen haben.
Im Bonner Prozess gegen den so genannten Stöckelschuhräuber hat der psychiatrische Sachverständige, dem sich der Angeklagte anvertraut hatte, gestern erklärt: Der Angeklagte leide unter einer seelischen Abartigkeit, die neben einer Borderline-Störung vor allem an seinem Fetischismus, einer krankhaften Störung der Sexualpräferenz festzumachen sei. Bei den Raubüberfällen auf Frauen, so der Gutachter, sei ihm die Person, der er die Schuhe weggenommen hat, egal gewesen. Die Raubüberfälle habe er vor allem als Ventil genutzt, um innere Spannungen abzubauen. Es sei auffällig, dass der 28-Jährige gerade dann agierte, wenn er unter Druck kam: beim Tod seines Freundes, auf der Flucht vor der Polizei - oder als er eine Haftstrafe antreten sollte. Der Gutachter bescheinigte dem jungen Mann bei den Taten eine verminderte Steuerungsfähigkeit. Ohne Therapie bleibe der Angeklagte eine Gefahr für die Allgemeinheit: Denn die Neigung sei - auch nach sechs Monaten Haft - nicht weg, nur weil er jetzt nicht mehr an Damenschuhe komme.
In ihrem Plädoyer forderte die Staatsanwältin gestern für sieben Raubüberfälle im minderschweren Fall drei Jahre und 8 Monate Haft. Darüber hinaus forderte sie die Unterbringung in einer psychiatrische Klinik, weil der Angeklagte sich nicht kontrollieren könne, wenn er mit seinem Objekt der Begierde konfrontiert werde. Im Bonner Prozess habe der Angeklagte erstmals ein Geständnis abgelegt, erinnerte Verteidiger Rene Gülpen. Die Scham, den Fetischismus einzugestehen, sei riesengroß gewesen. Aber jetzt sei es auch eine Erleichterung. Unter Tränen sagte der 28-Jährige gestern: Es tut mir einfach leid, was ich getan habe. Ich bin froh, dass mir jetzt geholfen wird.