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OberstaatsanwaltSeine letzte Anklage

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Ein Fall für Bülles:Ungezählte Anklagen hat der Oberstaatsanwalt in Sachen „Organisierte Kriminalität“ gefertigt. (Foto: dpa)

Auf dem Flur in der zweiten Etage der Kölner Staatsanwaltschaft stapeln sich die Akten. Es sind die Anklagen der Abteilung „Organisierte Kriminalität“. 96 Fälle hat das Team um Oberstaatsanwalt Egbert Bülles im vergangenen Jahr bearbeitet und mit der Kripo ermittelt. Doch jetzt ist Schluss: Der 65-Jährige geht in Ruhestand. Die letzte Anklage wird Bülles immer im Gedächtnis bleiben – es ist die letzte Anklage in seinem sehr bewegten Leben als Chef-Ankläger. Es geht um einen Großdealer, der vor elf Jahren in einen der größten Rauschgiftfunde in der Geschichte der Bundesrepublik verwickelt war. „Er ist erst vor wenigen Tagen nach Deutschland ausgeliefert worden und wird im April oder Mai in Köln vor Gericht stehen“, sagte der Ankläger. Vor über einem Jahrzehnt waren die Fahnder einem Lastwagen auf der Spur, der bis unters Dach mit Heroin gefüllt sein sollte. Die Drogen kamen auf dem Seeweg nach Deutschland – der Sattelschlepper wurde im niederrheinischen Beckum gestoppt. „Zuerst haben die Drogenspürhunde das Rauschgift zu unserer Überraschung nicht gefunden“, erinnert sich Bülles. Doch dann sei den Fahndern die Idee gekommen, in der Decke des Gefährts nachzuschauen. Und siehe da: Die Beamten stießen auf 161 Kilo reines Heroin mit einem Marktwert von 20 Millionen D-Mark.

„Nur in zwei Fällen wurde in Deutschland mehr Rauschgift beschlagnahmt“, betont Bülles. Der Mann, der die Drogen offenbar verteilen sollte, saß wegen einer anderen Straftat rund zehn Jahre in der Türkei in Haft und wurde jetzt in ein deutsches Gefängnis gebracht. „Nun macht jemand anderes den Fall bei uns – schade“, so der Oberstaatsanwalt weiter. Der riesige Fund wird noch immer in Köln unter hohen Sicherungsvorkehrungen aufbewahrt – der Ort ist geheim.Rauschgiftbosse, Menschenschleuser, Kunstfälscher oder Juwelenräuber – wohl keiner bei den Kölner Ermittlungsbehörden hat mehr Schwerverbrechern gegenüber gesessen als der 65-Jährige. Fast 40 Jahre ist Bülles bei der Justiz aktiv. Deshalb will der Ankläger wahrscheinlich ein Buch über seine Erlebnisse schreiben.

Ein kleiner privater „Kriminalfall“ wird darin aber nicht stehen. Denn auch die besten Ermittler werden manchmal bestohlen. So reiste Bülles im vergangenen Jahr nach Barcelona und ging spazieren. Plötzlich wurde er von einer Frau angesprochen, die ihm eine Blume verkaufen wollte. Bülles öffnete seine Geldbörse, wollte der Frau einen Euro geben und schon griff die Trickdiebin zu. „Erst später, als ich mit meiner Frau auf einer Parkbank saß, habe ich gemerkt, dass mir 150 Euro fehlen.“ Der Oberstaatsanwalt war auf den Blumentrick hereingefallen.

Mit dem Gang in den Ruhestand verliert die Staatsanwaltschaft auch einen Mann, der sich in der Bekämpfung von Menschenhandel sehr gut auskennt und internationale Anerkennung genießt. „Frauenhandel ist ein schwerwiegendes Delikt. Diese Fälle aufzuklären und den Frauen zu helfen, war mir immer wichtig“, sagte Bülles. Nun sei die Behörde gut aufgestellt, im Polizeipräsidium würde sich mittlerweile eine eigene Abteilung nur mit diesem Thema befassen. Auch seine Nachfolgerin, Oberstaatsanwältin Ellen Neiß, sei auf diesem Gebiet eine ausgewiesene Expertin.

Ein weiteres wichtiges Thema: der Enkeltrick. Ältere Menschen werden vermehrt von Trickdieben in Köln um ihre gesamten Ersparnisse gebracht. „Es ist mit die übelste Kriminalität. Manche Senioren sparen für ihre eigene Beerdigung, damit die Angehörigen nicht zahlen sollen, und dann kommen die Diebe.“ Die Zusammenarbeit mit den ausländischen Behörden könnte deutlich verbessert werden. Dort werde das Thema oft nicht ernst genug genommen.Was nun? Fußballfan Bülles wird weiter mit seinem FC fiebern, „hoffentlich nicht in der zweiten Liga“. Dann will der Ankläger in Seminaren dem Nachwuchs Ratschläge geben und das kriminelle Treiben weiter im Auge behalten. Denn eigentlich hätte Bülles gern noch ein Jahr drangehangen.