BERGHEIM-BÜSDORF. Mit Drehorgel und Affenmarionetten erregen Bernd-Franz Fischer, besser bekannt als Orgels Franz, und seine Frau Helene - Orgels Lenchen - auf jedem Fest Aufsehen. Sie verdienen ihren Lebensunterhalt seit 1982 mit der Drehorgel und ihren Affenmarionetten.
Selbstverständlich ist alles Handarbeit aus der eigenen Werkstatt des Ehepaars. Denn Orgels Franz stellt seine Drehorgeln und die Marionetten gemeinsam mit seiner Frau selbst her. Dabei ersetzen die Marionetten die lebendigen Affen, die die Orgelspieler früher immer dabei hatten, und die das Kleingeld einsammeltem.
Das Marionettenbauen war ein Hobby von uns, wir hatten schon immer Spaß am Basteln und Tüfteln, erzählt Helene Jacoby-Fischer. Ihr Mann konstruiert das Innenleben der Marionetten, also den Körper und die Technik. Beispielsweise können die Puppen die Augen nach links und rechts drehen, die Zunge herausstrecken und die Arme heben. Den Feinschliff erhalten die Affen dann von Fischers Ehefrau, die ihnen das Fell anklebt und sie bemalt. Das Affenfell besteht aus echtem Tierpelz, den sie aus alten Mänteln zurechtschneidet.
Schon mehr als 100 dieser Marionetten haben die Fischers hergestellt. Auf vier Äffchen pro Jahr beschränkt sich die Produktion, denn die Handarbeit ist aufwendig. Zeitweise hatten unsere Marionetten bis zu drei Jahre Lieferzeit, weil die Nachfrage so hoch war, sagt Helene Jacoby-Fischer. Einige Affenfiguren wurden gar nach Amerika oder Australien verkauft.
Weil die beiden so viel Spaß am Marionettenbau haben, überlegten sie vor etwa 20 Jahren, ein Marionettentheater zu eröffnen. Dann aber lernte das Ehepaar einen Orgelspieler kennen, der ihnen einen Affen abkaufen wollte. Die Fischers machten sich ans Werk, doch der Orgelspieler holte den bestellten Affen nie ab, und so musste die Orgel eben zum Affen kommen, schildert Helene Jacoby-Fischer lachend.
So kam Orgels Franz zu seiner ersten Drehorgel, doch Leidenschaft für dieses Instrument empfand er schon sehr viel früher. Als Fünfjähriger lief ich einem Orgelspieler hinterher und bin deshalb erst um 22 Uhr nach Hause gekommen. Das gab vielleicht einen Ärger, erinnert sich Franz Fischer.
Als ich vor etwa 20 Jahren mit dem Orgelspielen angefangen habe, habe ich sie natürlich fertig gekauft, erzählt Fischer. Doch schon die ersten kleineren Reparaturen erledigte er selbst. Der gelernte Färber und chemische Reiniger kniete sich in das neue Gebiet und eignete sich das Orgelbauerhandwerk im Laufe der Jahre selbst an.
Zunächst reparierte er kaputte Drehorgeln und verkaufte sie dann, bis er sich an seinen ersten eigenen Orgelbau wagte. Dieses Exemplar gehört bis heute dem Orgels Lenchen. Helene Jacoby-Fischer bemalt die Instrumente und näht auch die Kostüme, in denen das Ehepaar auftritt.
Heute treten die Fischers meist getrennt auf Geburtstagen, Einweihungen und anderen Festen auf. In naher Zukunft plant das Ehepaar jedoch auch gemeinsame Auftritte. Entweder mit zwei Orgeln oder aber mit Orgel und Konzertina, einer Art kleinem Akkordeon.
Für die Zukunft plant Franz Fischer, eine sehr große Drehorgel zu bauen. Wenn ich in zwei Jahren in Rente gehe, dann konzentriere ich mich einzig und allein auf die Orgeln, freut er sich bereits.