Abo

OrthodoxeWeihnachtsikone statt Krippe

3 min

Nach dem Johannesfest am 7. Januar beginnt wieder der Alltag: Erzpriester Konstantin Miron findet Ostern schöner als Weihnachten. "Pascha", wie das griechische Osterfest genannt wird, ist der Höhepunkt des orthodoxen Kirchenjahres.(Foto:Rosenbaum)

BRÜHL – Der Bummel über den Weihnachtsmarkt war für Erzpriester Konstantin Miron jedes Mal eine harte Prüfung. Für die griechisch-orthodoxen Christen beginnt nämlich am 15. November die Fastenzeit, die den Verzicht auf tierische Speisen vorschreibt. „Das ist schon hart", gestand Miron den Zuhörern, denen er im Rahmen des erweiterten Krippensonntags in der Kirche Heiliger Johannes der Täufer von den Weihnachtsgebräuchen der griechisch-orthodoxen Gemeinde berichtete.

Besonders streng wird in der Woche vor Weihnachten gefastet, in der selbst auf Fisch verzichtet wird. Uneins sind sich die orthodoxen Christen über das Datum des Weihnachtsfestes. Der Großteil feiert am 25. Dezember; andere, wie etwa die Russen, allerdings erst am 7. Januar. Das hängt damit zusammen, dass in einigen orthodoxen Kirchen noch die julianische Zeitrechnung gilt, die 13 Tage hinter dem gregorianischen Kalender hinterherhinkt.

„Es ist ärgerlich, wenn man sich innerhalb einer Kirche nicht einig ist", befindet Miron, der mit seiner 1000 Mitglieder zählenden Gemeinde das Fest der Geburt Christi am 25. Dezember begeht. Beim Gottesdienst erwartet die Gläubigen eine vielstündige Bibellesung in griechischer Sprache. „Das ist für die meisten verständlich, auch wenn sie es nicht sprechen können", weiß der Erzpriester, in dessen Kirche sowohl Menschen griechischer Herkunft als auch rumänischer und russischer Abstammung zusammentreffen.

Wer den Gottesdienst besucht, sollte vorher die Beichte abgelegt haben. Nicht anders als bei den katholischen und evangelischen Christen ist das Gotteshaus dann besonders gut gefüllt, wie Miron seit vielen Jahren weiß. Auch Adventskranz und Weihnachtsbaum sind in die Häuser der orthodoxen Christen eingezogen, gebräuchlich sind auch das Singen von Adventsliedern und das Lesen von Ankündigungstexten.

Eine Krippe sucht man allerdings vergebens, weil eine „zu starke Vermenschlichung des Gottessohnes" vermieden werden soll. Statt dessen wird eine Weihnachtsikone aufgestellt. Dem eigentlichen Fest folgen die Heiligen Tage und Nächte. Am 2. Weihnachtstag ist Marienfest; der 1. Januar steht im Zeichen von Basilius von Cäsarea, einem großen Theologen und Bischof, der bei den Griechen so populär ist wie hierzulande der Nikolaus. An diesem Tag gibt es auch die Geschenke.

Der 6. Januar ist das Fest der Theophanie, der Taufe Christi im Jordan; einen Tag später begeht man das Johannesfest und dann „beginnt wieder der Alltag", wie Konstantin Miron erklärt. „Nichts gegen Weihnachten, aber Ostern ist schöner", ließ er seine erstaunten Zuhörer wissen, „im Geheimnis von Weihnachten liegt schon die Anspielung auf Ostern".

„Pascha", wie das griechische Osterfest genannt wird, ist nämlich der Höhepunkt des orthodoxen Kirchenjahres. Und dann endlich, so Miron schmunzelnd, sieht er in seiner Kirche auch die „Reduktionschristen", die sich sonst das ganze Jahr nicht blicken lassen.