Wesseling – Wenn Angelika Schaar in ihrer Küche an der Osterkerze arbeitet, vergisst sie alles um sich herum. Zum 15. Mal in Folge hat die 51-jährige Frau aus Berzdorf nun die Osterkerze für die Pfarrkirche „Schmerzhafte Mutter“ gestaltet. „Es ist eine Arbeit, die mich mit Stolz erfüllt“, sagt sie.
Angelika Schaar ist eine gläubige Christin. Sie ist Mitglied im Pfarrausschuss der Gemeinde und in der katholischen Frauengemeinschaft. Auch arbeitet sie im Förderverein der Pfarrkirche und packt gerne mit an, wenn es um die Vorbereitungen von Festen und Veranstaltungen in der Pfarrgemeinde geht.
Mit den Berzdorfer und später auch den Keldenicher Kindern hat sie bereits vor rund 20 Jahren Kerzen für deren erste heilige Kommunion gestaltet. Irgendwann hat dann die Frage im Raum gestanden, ob sie die Osterkerze für die Pfarrkirche gestalten wolle.
Und Angelika Schaar wollte. Seither vergeht kaum ein Tag in ihrem Leben, an dem sie nicht in irgendeiner Form an die Osterkerze denkt, auch im Urlaub und ihrer Freizeit. Denn nicht nur die eigentliche Gestaltung wurde ihr übertragen, sie darf auch das Motiv entwerfen. Vorgegeben sei dabei nur, dass immer das Kreuz als Zeichen des Sterbens und der Auferstehung, die fünf Wundmale Jesu und das Alpha und das Omega auf der Osterkerze zu sehen sind. Alpha und Omega stehen für Anfang und Ende, Gestern und Heute.
Hinzu kommen die oft kleinen Begebenheiten im Alltag, die sie in ihren Entwurf einfließen lässt. Motive, mit der sie Geschichten erzählen oder Ereignisse und eigene Gedanken zum Ausdruck bringen möchte. Auf Papier und im Maßstab eins zu eins zeichnet sie zunächst das Bild, das sie später aus Wachs auf die Kerze, die einen Meter hoch ist und einen Durchmesser von acht Zentimetern hat, arbeiten wird. Obwohl es bisher noch nicht eine einzige Kritik an ihren Entwürfen gegeben hat, lässt sie sich jeden Entwurf vor der Arbeit ins Reine vom leitenden Pfarrer genehmigen.
Motiv mit Bezug zur Gemeinde
Zufall ist es nicht, dass sie in diesem Jahr die Worte „Ich bin bei euch alle Tage“ auf die Osterkerze gearbeitet hat. „Dieser Spruch ist mir in diesem Jahr sehr oft, sogar im Urlaub, begegnet“, erklärt sie. Ganz davon abgesehen sei es aber auch ein schönes Gefühl, glauben zu dürfen, dass der Mensch nie und zu keiner Zeit wirklich alleine sei, findet sie.
Ruhe und viel Zeit braucht Angelika Schaar, um den Entwurf auf die zunächst schlichte weiße Kerze zu arbeiten. Hauchdünne Wachsblättchen müssen erhitzt werden, bevor sie in mehreren und verschieden hohen Schichten exakt und auf den Millimeter genau auf die Osterkerze aufgetragen werden können. „Diese Schichtung gibt der Kerze ihre Lebendigkeit und ihre Tiefe“, erklärt Angelika Schaar.
Ganz wichtig sei es ihr bei der Osterkerze auch, stets einen Bezug zur Gemeinde herzustellen. So modelliert sie auch schon mal das Begleitmotiv der Kommunion-Kinder auf die Kerze. Zum Weltjugendtag 2005 hat sie zusätzlich das Motiv des Weltjugendtages auf die Kerze gearbeitet. Anlässlich des 150-jährigen Bestehens der Pfarrkirche im Jahr 2007 hat sie sogar ein Foto des Gotteshauses auf die Osterkerze gesetzt.
Mehr als 40 Stunden intensiver Arbeit vergehen, bis aus dem Entwurf dann die fertige Osterkerze geworden ist. Aber Angelika Schaar achtet nicht auf die Zeit. Dazu würde ihr die Arbeit einfach zu viel Freude machen, sagt sie. Bis heute hat sie großen Respekt und sogar Lampenfieber vor dieser Arbeit. Ihr Herz erfüllt sich mit purer Freude, wenn die von ihr gestaltete Kerze in der Osternacht als einzige brennende Kerze in die sonst finstere Kirche getragen wird. „Von ihr aus wird dann das Licht an alle Gottesdienstbesucher weiter gegeben“, erklärt sie, „denn die Osterkerze symbolisiert Jesus.“
Bis zum Pfingstfest wird die Osterkerze dann im Altarraum der Pfarrkirche stehen bleiben und zu jedem Gottesdienst angezündet.
