HOMBURG-BRÖL. Eine der ältesten Papierfabriken in Deutschland wird geschlossen. 37 Mitarbeiter der Firma Ahlstrom Nümbrecht GmbH & Co. KG, Homburger Papierfabrik, verlieren ihren Arbeitsplatz. Bernhard Haukap, als Personalleiter des finnischen Konzerns fürs Hauptwerk in Osnabrück und die Tochterfirma in Homburg-Bröl zuständig, und Geschäftsführer Horst-Wilhelm Degenring informierten am Donnerstag die Belegschaft. Die Stilllegung des Betriebs, der Tapetenrohpapier herstellt, soll spätestens im April 2007 erfolgen.
Wir haben einen großzügigen Sozialplan gemacht, informierte Bernhard Haukap auf Nachfrage. Nach OVZ-Informationen soll er bei 1,5 Mio. Euro liegen. Das Werk ist durch die Deponiekosten unrentabel geworden, erläuterte der Personalchef. Ahlstrom recycelt Produktionsabfälle seiner Kunden, also auch hiesiger Tapetenfabriken. In dem Prozess werden Fasern von Kunststoff getrennt und diese Fasern wieder zu Rohpapier für die Tapetenindustrie verarbeitet. Zu den Ahlstrom-Kunden zählen A. S. Création und Pickhardt + Siebert. Der Restabfall wurde als Abdeckungsmaterial zur Leppe-Deponie gebracht, bis 2005 die gesetzliche Regelung (TA Siedlungsabfall) festlegte, dass der Anteil organischer Stoffe nicht über 10 Prozent liegen darf.
Seither müssen die Restabfälle verbrannt werden, was wiederum wegen der PVC-Anteile auch nicht in jedem Müllofen möglich ist. Durch die Verbrennung sind die Entsorgungskosten nach Auskunft des Unternehmens um das Achtfache gestiegen.
Es ist völlig unlogisch, was da abläuft, machte Haukap seinem Ärger Luft. Auch Degenring versteht diese Politik nicht. Da habe der Betrieb Abfall vermieden, hunderttausende Tonnen Altpapier in einem modernen Verfahren recycelt und zu neuem Papier gemacht und werde mit hohen Entsorgungskosten belastet.
Das Bemühen um eine Ausnahmeregelung scheiterte. Bürgermeister Bernd Hombach berichtete von zahlreichen Gesprächen im Ministerium und mit der Bezirksregierung. Die gesetzliche Regelung, die eigentlich was Gutes will, hat einen innovativen Betrieb gefährdet und kaputt gemacht, meinte Hombach.
Die Entsorgungskosten haben uns den Hals gebrochen, stellte auch Betriebsratsvorsitzender Alexander Schmidt fest. Er berichtete, dass der Stilllegungszeitraum die regulären Kündigungsfristen berücksichtige. Keine Auswirkung hat die Betriebsstilllegung von Ahlstrom auf das Unternehmen Degenring Couture, das sich auf dem Firmengelände befindet. (hh)