Wenn der Arzt einen Herzschrittmacher in Erwägung zieht, dann hat er in aller Regel einen Patienten vor sich, dem ein unregelmäßiger oder zu langsamer Herzschlag zu schaffen macht. Mit einem ganz neuartigen Impulsgeber kann jetzt aber noch einer weiteren Gruppe von Herzkranken geholfen werden: Menschen mit Herzinsuffizienz und so genanntem Linksschenkelblock.
Bei etwa 15 Prozent aller Menschen mit Pumpschwäche lässt sich im EKG ein solcher Linksschenkelblock (LSB) nachweisen, der oft nach einer Herzmuskelentzündung oder einem Infarkt entsteht. Bei den betroffenen Patienten erhalten die beiden Herzkammern nicht mehr zeitgleich den nötigen elektrischen Impuls für den Herzschlag, sondern nacheinander. Indem der Herzschlag in der linken Kammer - wenn auch nur Millisekunden - verzögert erfolgt, entsteht im Herzen ein solcher Energieverlust, dass das Blut nicht mehr ausreichend in den Blutkreislauf gepumpt werden kann und der Patient häufig eine Insuffizienz entwickelt.
Durch den neuartigen Schrittmacher, über den der Kölner Kardiologe Professor Dr. Erland Erdmann bei der Herbsttagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie in Dresden berichtete, lässt sich das Herz wieder richtig in Takt bringen. Zu diesem Zweck legen die Kardiologen mit Hilfe des Herzkatheters eine Sonde in die Vorkammer, eine weitere in die rechte Hauptkammer und eine dritte hinter die linke Hauptkammer. Unter Einsatz von Kontrastmittel werden die elektrischen Kabel in einem mehrstündigen Eingriff im Herzen verankert; der eigentliche Impulsgeber wie üblich in Schlüsselbein-Nähe unter die Haut gepflanzt.
Europaweite Studie
mit 813 Teilnehmern
Das Prinzip des Resynchronisations-Schrittmachers bestehe darin, dass er den Herzschlag in der linken Herzkammer wieder gleichzeitig zum Herzschlag in der rechten Kammer auslöse, erläutert der Kölner Kardiologe, der die Therapie mit entwickelt hat.
Das neue Gerät, so der Hochschulmediziner, trage nicht nur dazu bei, die Lebenszeit von Patienten mit Herzinsuffizienz und Linksschenkelblock zu verlängern, sondern auch ihre Lebensqualität zu verbessern. Im Rahmen einer europäischen Studie an rund 50 Herzzentren, darunter auch der Kölner Uni-Klinik, hätten die Vorteile des Systems klar nachgewiesen werden können.
Von insgesamt 813 Patienten mit Herzinsuffizienz, vergrößertem Herzen und Linksschenkelblock erhielt die eine Hälfte den Schrittmacher, die andere Hälfte eine optimale medikamentöse Einstellung. Nach drei Jahren hatten von den Schrittmacher-Trägern im Vergleich zur Medikamentengruppe 14 Prozent mehr Patienten überlebt. Zudem verstarben mit Schrittmacher lediglich 7,8 Prozent der Patienten am plötzlichen Herztod; in der Medikamenten-Gruppe waren es 13,4 Prozent.
Für ratsam hält Erdmann die Implantation des etwa 6000 Euro teuren Resynchronisations-Gerätes vor allem bei Patienten mit Linksschenkelblock und Herzinsuffizienz, die trotz guter Medikamente weiter unter Luftnot, Leistungsschwäche oder nächtlichem Harndrang leiden. Bislang wird der Schrittmacher, darunter auch an der Kölner Uni-Klinik, bei mittelgradiger bis schwerer Herzinsuffizienz mit Linksschenkelblock eingesetzt.
Möglicherweise, so der Kardiologe, könne er aber auch schon bei leichter Pumpschwäche sinnvoll sein, um ein Fortschreiten des Herzleidens zu verhindern. Und nicht nur das. Bislang überblicken die Ärzte erst eine Studiendauer von drei Jahren. Erdmann: „Es ist zu erwarten, dass über einen längeren Beobachtungszeitraum dank des Systems noch mehr Patienten überleben.“
