KREIS AHRWEILER. Die Hochwasserlage am Mittelrhein spitzte sich gestern weiter zu. Das Umweltministerium in Mainz erwartete, dass der Rheinpegel wegen der starken Zuflüsse von Nahe und Mosel bis in den Bereich der Höchststände vom Hochwasser 1993 steigen wird. Auf Grund der Wettervorhersagen rechnet das Ministerium aber am Wochenende mit nachlassenden Niederschlägen, die zudem in Schnee übergehen sollen. Doch nicht nur am Rhein bereiten die intensiven Niederschläge große Probleme. So ist wegen Überschwemmung des Lückenbaches auch die Kreisstraße 24 bei Lückenbach gesperrt.
Die Pegel des Rheins stiegen gestern kontinuierlich an. In Andernach wurde am Vormittag ein Stand von 7,26 Metern mit stündlich steigender Tendenz von acht Zentimetern gemessen. Die Hochwassermeldedienste gingen am frühen Nachmittag davon aus, dass der Pegel Koblenz bis gestern Abend 23 Uhr einen Höchststand von 8,75 Meter erreicht. Damit näherte er sich immer mehr dem Wert von 1993 an, als der Pegel bei 9,45 Meter lag. In Remagen musste die Rheinpromenade bereits geräumt werden. Auf dem Campingplatz Goldene Meile wurden hastig Wohnmobile in Sicherheit gebracht. Die Fähre Kripp-Linz musste wegen Überschwemmung der Kripper Rheinallee ebenso wie die Schifffahrt auf dem Rhein den Betrieb einstellen. Die Wasserwehr, die aus freiwilligen Wehrleuten sowie aus Mitarbeitern des städtischen Bauhofs, des Technischen Hilfswerks (THW) und der Polizeiinspektion Remagen besteht, warnte gestern die betroffenen Anlieger, baute Stege und verteilte Sandsäcke. Zusätzlich waren 95 Feuerwehrleute im Einsatz. Die Einsatzzentrale der Feuerwehr ist täglich bis 22 Uhr unter Ruf (0 26 42) 2 12 11 erreichbar, danach kann unter 112 Hilfe angefordert werden. In Kripp haben die Einsatzkräfte bereits gestern die ersten Wohnungen geräumt.
In Bad Breisig werden seit gestern Morgen Sandsäcke gestapelt, die die Häuser am Rhein schützen sollen. Die Rheinpromenade ist bereits überflutet, das THW hat in den vom Hochwasser bereits betroffenen Zufahrtsstraßen zum Rheinufer wie der Biergasse Stege errichtet. Der stellvertretende Ordnungsamtsleiter Michael Lüdtke erwartete einen Höchststand des Rheins von 9,10 Meter bis 9,30 Meter, etwas niedriger als die 9,49 Meter im Jahr 1993. In der Nacht könnte die B 9 bei Brohl überflutet werden, informierte Lüdtke. Zudem könne es sein, dass heute auch die B 9 im Bereich des Bad Breisiger Bahnhofs überschwemmt werde. Die Feuerwehren, aber auch die Privatleute seien allerdings gut vorbereitet, beruhigte Lüdtke. Die Sinziger Feuerwehr beobachtet mit Argusaugen den Mündungsbereich der Ahr in den Rhein. Denn hier gefährdet vor allem der Rückstau aus dem Rhein die Anlieger im Bereich der Straße Am Dorn. Noch besteht aber keine Gefahr für die Häuser, beruhigte Willi Engel von der Stadtverwaltung. Den Anliegern sei vorsorglich ein Container Sand zur Verfügung gestellt worden. Bislang sei das Bootshaus des Wassersportvereins in Mitleidenschaft gezogen worden. Kritisch würde es nur, wenn der Rückstau bis zur Kläranlage reicht und diese stillgelegt werden müsste, so Engel.
Der Abschnitt der Kreisstraße 24 von der Einmündung der Landesstraße 73 bei Insul bis zur Ortslage Lückenbach musste gestern für den Verkehr gesperrt werden. Da es sich um keine Durchgangsstraße handelt, sind nur die Anwohner von der Unterspülung der Straße betroffen. Wie die Kreisverwaltung Ahrweiler meldet, sind die Sicherungsarbeiten bereits im Gange. Die Straße soll umgehend wieder für den Verkehr freigegeben werden. (H. / wki)