KÖLN. Der Fuchs ist die häufigste und am weitesten verbreitete Raubwildart des Landes. Und das mit steigender Tendenz. Denn die Zahl der Füchse nimmt weiterhin zu. „In der freien Landschaft sind Füchse, nach allem, was wir wissen, so zahlreich wie nie zuvor“, geht Jürgen Eylert, Mitarbeiter der Bonner Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung, von einem Höhepunkt in der Entwicklung der Fuchspopulation aus.
Derselben Ansicht ist auch der Dauner Amtstierarzt Stephan Trutzenberg. „Wir haben immer mehr Leute, die verängstigt anrufen, weil sie einen Fuchs gesehen haben.“ Der Mediziner sieht die Ursache dafür in den momentan günstigen Lebensbedingungen für den räuberischen Vierbeiner. „Wir haben keine strengen Winter mehr, so dass viel mehr Jungtiere als früher überleben“, sagt der Tierarzt am Veterinäramt der Kreisverwaltung Vulkaneifel.
Für Trutzenbergs Annahme spricht, dass aus demselben Grund zuletzt auch die Mäusepopulation besser durch die kalte Jahreszeit gekommen ist. Deren üppiges Aufkommen wiederum trägt dazu bei, dass sich der Fuchsbestand positiv entwickelt - Mäuse sind die Hauptbeute des Fuchses.
Die milden Temperaturen haben aber noch für einen weiteren Effekt gesorgt: Die Zahl der von Jägern zur „Strecke“ gebrachten Tiere ist in letzter Zeit zurückgegangen. „Durch das eher gemäßigte Klima wird den Jägern ihr Handwerk erschwert“, erklärt Torsten Reinwald vom Deutschen Jagdschutz-Verband.
Ohne Schnee schlechtere Ziele
Die Füchse passten sich leichter ihrer Umgebung an und gäben dadurch schlechtere Ziele ab, zumal ihre Verfolger ohne Schnee ihren Spuren nicht so gut folgen könnten. „Insgesamt fiel die bundesweite Jahresstrecke von 604 452 im Jahr 2006 auf 432 146 Füchse im Jahr 2007, so dass ihr Bestand weiter gestiegen sein dürfte“, mutmaßt Reinwald. Auch im Rhein-Erft-Kreis, im Rheinisch-Bergischen Kreis und im Rhein-Sieg-Kreis ist die Zahl der erlegten Füchse zuletzt gesunken. Der Unteren Jagdbehörde im Bergheimer Kreishaus wurden 2007 noch 861 (Vorjahr 1135) geschossene Tiere gemeldet, in Bergisch Gladbach waren es 804 (Vorjahr 1305) und in Siegburg 1775 (Vorjahr 3244).
Einen weiteren Grund für das Gedeihen des „vulpes vulpes“ sieht Tierarzt Trutzenberg im Rückgang der Tollwut. Durch Schluckimpfungen ist die Zahl der amtlich festgestellten Krankheitsfälle in den letzten Jahren drastisch zurückgegangen und tendiert mittlerweile gegen Null. Wurden im Jahr 1995 noch 627 kranke Tiere registriert, konnten 2006 nur noch drei Tollwutfälle in Rheinland-Pfalz nachgewiesen werden.
Statistisch lässt sich das hohe Aufkommen des Räubers aber noch nicht nachweisen. Zwar versucht der Deutsche Jagdschutz-Verband seit fünf Jahren, den bundesweiten Bestand an Füchsen zu erfassen. Jedoch steht dabei nicht die Zahl der Einzeltiere im Mittelpunkt, sondern die Größe der Würfe („Gehecke“): Durch die Kontrolle der Baue wird versucht, den Fuchsbesatz je 100 Hektar Fläche zu ermitteln.
Gesicherte Zahlen zur Entwicklung der Fuchspopulation erlaubt diese Methode ob der Kürze ihrer Anwendung noch nicht. Allerdings urteilt die Studie grundsätzlich, dass sich die Besätze nach dem starken Anstieg Ende der 1980er Jahre weiterhin auf hohem Niveau stabilisieren.
Das hohe Aufkommen führt laut Forscher Eylert dann auch dazu, dass einige Tiere vermehrt für sie „suboptimale Räume wie Gartensiedlungen“ aufsuchten und dabei zwangsläufig immer häufiger mit Menschen in Kontakt kämen. „Wir haben das letztes Jahr hautnah erlebt“, sagt Oberforstrat Dirk Kreienmeier vom Regionalforstamt in Eitorf, „bei einem Barbecue im Garten stand plötzlich, vom Fleischgeruch angelockt, ein Fuchs neben dem Grill.“
Sein Bergisch Gladbacher Kollege, Kreisveterinär Thomas Mönig, bezeichnet den Fuchs deshalb als „Kulturfolger“: „Normalerweise durchstreifen Füchse auf der Suche nach Nahrung größere Waldgebiete. Wenn sie aber auf kleinem Raum mehr Futter finden, machen sie es sich gerne bequem. Deshalb merken sie auch schnell, wenn in Wohngebieten der Tisch für sie reichlich gedeckt ist.“
Tödliche
Krankheiten
Wildforscher Eylert hält diese Entwicklung für „etwas bedenklich“ und führt das Risiko für den Menschen ins Feld, an Fuchsbandwürmern oder der Tollwut zu erkranken, die für den Menschen tödlich sein können.
Auch Tierarzt Trutzenberg mahnt angesichts der wachsenden Fuchszahl zu Wachsamkeit, sieht aber keinen Grund für Panik. Mit ein paar Verhaltensregeln könne man sich und seine Kinder wirkungsvoll schützen. Dazu zähle, Komposthaufen so anzulegen, dass Tiere nicht an Speisereste gelangen könnten. Selbst angebautes Gemüse und Obst sollten vor dem Verzehr gründlich gewaschen oder besser noch abgekocht werden. Außerdem sollte man Füchse nicht anfassen oder gar zu fangen versuchen.
