Kaum fassbar, was sich am Donnerstagmorgen in einer Wohnung in Rondorf-Hochkirchen abgespielt haben soll: Eine 27-Jährige hat dort nach Polizeiangaben ihr fünf Monate altes Baby schwer misshandelt und lebensgefährlich verletzt. Die Frau habe den kleinen Jungen gegen 5.30 Uhr an den Füßen gepackt und den Säugling mit dem Kopf gegen die Wand geschleudert.
Vorher, so teilte die Polizei mit, wollte die Mutter den Jungen offenbar mit einem Messer im Kinderzimmer töten - doch der durch das Geschrei wach gewordene Vater konnte dies gerade noch verhindern. Mit dem Küchenmesser lief der 31-jährige aus dem Kinderzimmer, weil er die Waffe auf der Spüle in der Küche ablegen wollte - in diesem Moment hörte er nach eigenen Angaben einen dumpfen Knall aus dem Wohnzimmer. Dort sah der Mann den Jungen regungslos auf dem Boden liegen. Die Frau wollte gerade das Baby wieder aufheben und erneut gegen die Wand werfen, sagte ein Ermittler. Der 31-Jährige ging dazwischen, nahm das schwer verletzte Kind und alarmierte die Rettungskräfte.
Mit erheblichen Kopf- und Brustverletzungen kam der Junge in eine Spezialklinik. Ob das Kind überleben wird, kann erst in ein paar Tagen gesagt werden, sagte Oberstaatsanwalt Alf Willwacher. Die Mutter des Kindes wurde kurzzeitig mit ins Präsidium genommen; doch sie verweigerte jede Aussage. Am Vormittag wurde die Tatverdächtige in die psychiatrische Abteilung der Klinik Merheim eingewiesen. Der Vater musste mit einem schweren Schock ebenfalls ärztlich behandelt werden. Er ist mit dem zweiten Sohn (zwei Jahre) bei Verwandten untergekommen.
Über die Hintergründe der Tat rätseln die Ermittler noch. Die Mutter hat keine Vorstrafen und war nicht ein einziges Mal mit dem Gesetz in Konflikt geraten, berichtete ein Ermittler. Oberstaatsanwalt Willwacher teilte allerdings mit, dass die Frau seit kurzer Zeit psychisch auffällig gewesen sei - ohne weitere Details zu nennen.
Die Nachbarn in Rondorf schwankten zwischen Entsetzen und Ungläubigkeit. Denn die junge Familie machte bei den Anwohnern einen guten Eindruck. Sie lebten zurückgezogen und hatten wenig Kontakt mit den Nachbarn, sagte eine direkte Anwohnerin. Besonders die Mutter habe aber stets freundlich gegrüßt, wenn sie mit den Kindern spazieren ging. Der Postbote, der der Familie seit zwei Jahren die Post zustellt, sprach von liebevollen Eltern, die sich offensichtlich vernünftig um die Kinder kümmerten.