Schon als Kleinkind sei er ein Strahlemann gewesen, sagt seine Mutter. Wer Ralph Sterck im Rathaus, auf Empfängen oder Stehpartys begegnet, würde das sofort unterschreiben. Und auch an diesem wolkenlosen Sommertag lächelt der 43-Jährige, als er seine Wohnungstür öffnet: „Ja, dann mal hereinspaziert. Herzlich willkommen!“
Blick direkt auf die Agneskirche
Der FDP-Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters wohnt mitten im Agnesviertel. Hier, wo er seine ersten fünf Lebensjahre mit seinen Eltern und zwei jüngeren Brüdern verbrachte, wohnt er allein auf 80 Quadratmetern. Von seiner kleinen Küche blickt Sterck direkt auf die Agneskirche, in der er getauft worden ist. Als er dieses Veedels-Panorama bei seiner Wohnungssuche vor 15 Jahren zum ersten Mal sah, war ihm sofort klar: „Hier will ich bleiben.“
Ralph Sterck ist ein offener Mensch. Einer, der privat tief blicken lässt - im Gegensatz zu seinen beiden größten Konkurrenten um das OB-Amt, deren vier Wände für die Öffentlichkeit tabu sind. Sein Schlafzimmer betreten wir dann doch nicht, obwohl Sterck die Tür öffnet.
„Sage mir, wie du wohnst, und ich sage dir, wer du bist“ - Ralph Sterck hat kein Problem damit. Schon der Blick ins Wohnzimmer verrät, dass hier nur ein Liberaler wohnen kann. Die Wände sind gelb- bis ockerfarben gestrichen; auf dem gläsernen Couchtisch vor der schwarzen Ledergarnitur steht ein Strauß Rosen. Farbe: gelb. Das habe nichts mit der FDP zu tun, meint Sterck und grinst. Eigentlich sei grün seine Farbe. „Zu Hause war früher zwischen meinen Brüdern alles nach Farbe aufgeteilt. Zahnbürste, Zahnputzbecher - ich hatte immer grün.“
Sein Herz schlägt für Köln
Ralph Sterck wird 1965 in Mülheim geboren. An der Düsseldorfer Straße. „Der einzige Schönheitsfehler“, witzelt er. Seine Eltern betreiben das Transportunternehmen „Kölner Flitzer“, das Stercks Großvater gegründet hat. 1971 verlässt die Familie das Agnesviertel, zieht nach Ostheim, und auch die Firma an der Xantener Straße muss weichen, weil die Stadt Köln dort einen Bauspielplatz errichten will. „Der ist bis heute nicht gebaut worden. Da kann man mal sehen, wie mit der Wirtschaft umgegangen wird. . .“ Da ist sie, die bekannte Politiker-Schwäche, wenn vom Privaten ins Politische geswitcht wird. Doch Sätze wie „. . .was wir im übrigen damals im Rat gefordert haben, aber. . .“ kommen anderen Politikern weitaus öfter über die Lippen.
Wenn Ralph Sterck über sich, sein Leben und Köln erzählt, dann ist zu spüren, wie sehr ihm seine Heimat am Herzen liegt. Zu sehen ist es auch: In der Drei-Zimmer-Wohnung ist der Dom überall präsent. Zum Beispiel in Bildern von Gerda Laufenberg, mit der Sterck befreundet ist, oder auf einem Druck des Bananen-Sprayers Thomas Baumgärtel. Und Sterck sammelt Kölsch-Gläser. Bei der letzten Zählung waren es 400.
Auch vor Mc Donald's nicht fies
Im Arbeitszimmer hängen zwei alte Schwarz-Weiß-Fotos: Das Haus, in dem Sterck zur Welt kam, daneben ein altes Geschäft am Habsburger Ring. „Das ist die Parfümerie meines Urgroßvaters. Millowitsch hat in seinen Memoiren geschrieben, dass er zum Sterck ist, um sich den Schnäuzer stutzen zu lassen.“
Sterck ist aber kein Kölner, für den die Welt in Weiden oder Widdersdorf aufhört. Eine Zimmertür ist in mehreren Schichten voll mit Postkarten aus aller Welt beklebt. Im Wohnzimmer steht als Deko eine Wasserpfeife, die sich der Nichtraucher aus Tunesien mitgebracht hat. In den USA war er schon mehrmals, auch Australien hat Sterck schon gesehen. Mit dem Mietwagen Land und Leute zu erkunden - das macht ihm Spaß. In diesem Jahr war kein Urlaub drin. Sterck spricht Klartext: „Ich könnte mir was Schöneres vorstellen, als in diesem Sommer Wahlkampf zu machen.“ Aber was muss, das muss.
Eine angenehm liberale Grundeinstellung legt Sterck auch beim Essen an den Tag. Es gibt so gut wie nichts, was der bekennende McDonald's-Esser verschmähen würde. Und man sieht's ihm an. Der Mann mit der Wohlfühlfigur ist kein Picker. Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt. „Wenn ich mich zwischen Kuchen und einem Schinken-Käse-Toast entscheiden müsste, würde ich immer den Toast bevorzugen“, beginnt Sterck, „wobei ich aber auch gerne Kuchen oder Schokolade esse.“ Schwach wird er auch bei Bratkartoffeln mit Spiegelei und Spinat. Doch Nudeln sind für ihn das Allergrößte: „Ich liebe Pasta in allen Variationen.“ Und die kocht des öfteren sein Freund für ihn.
Die JuLis mit aufgebaut
„Wir haben uns an Karneval im vergangenen Jahr kennen gelernt“, erzählt Sterck, zögert ein bisschen und wird leiser. „In der Brennerei Weiß. . . Tja, und wie so was dann geht.“ Grinsen. Für einen Moment wirkt er ein bisschen schüchtern. Mit Ralph Sterck über Privates zu plaudern ist deshalb so angenehm, weil er offen spricht. Und sollte es zu privat werden - Sachen, die er später nicht in der Zeitung lesen möchte, dann erzählt er sie trotzdem - mit der Bitte, es nicht zu schreiben. Wer wie Sterck auf Vertrauen baut, den will man nicht enttäuschen.
Der Fraktionschef der FDP bezeichnet sich selbst als Frohnatur. Einer, der schon als Schüler immer für einen guten Spruch gut gewesen sei, wie sich der OB-Kandidat selbst charakterisiert. Ursprünglich will er Journalist werden: Sterck wird 1982 mit dem Preis für die beste Schülerzeitung Deutschlands geehrt. Als 15-Jähriger schließt er sich den Jungliberalen an, die er in Köln mit aufbaut. Es ist die Zeit, in der aus politisch Gleichgesinnten mehr als Parteifreunde werden. Wie etwa Katja und Werner Hoyer. Oder Reinhard und Bettina Houben: Sterck ist Patenonkel ihres Sohnes.
Enger Kontakt zur Familie
Politik und Privates ist bei dem Mann schwer zu trennen, wie eine Fotocollage in der Küche zeigt: Im bisherige Leben von Ralph Sterck ist vieles in den Parteifarben Gelb und Blau gehalten. Als er 1989 in die Bezirksvertretung gewählt wird, ist es vorbei mit dem Journalismus: „Ich musste mich entscheiden, auf welcher Seite ich stehen wollte.“
Bevor Sterck 2003 Hauptgeschäftsführer der NRW-FDP wird, arbeitet der gelernte Speditionskaufmann im Transportunternehmen der Eltern. 2000 übernimmt er mit seinem Bruder die Geschäftsführung. „Wir haben einen super Familienzusammenhalt, auch heute noch“, sagt Sterck und betont, wie wichtig ihm dieser Rückhalt gerade als Berufspolitiker ist. Zudem gibt es wichtige Hinweise: „Meine Mutter ruft gerne an, wenn auf Fotos in der Zeitung die Krawatte nicht sitzt, oder wenn mal wieder Wahlkampfplakate beschmiert worden sind.“
Nicht nur als Kind, auch heute noch fahren die Stercks gerne nach Bayern. „Mein Vater ist nach dem Krieg nach Schwangau geschickt worden, weil es in Köln ja nichts gab. Ich habe dort auch noch eine Nenn-Tante, die inzwischen über 90 ist.“ Die Verbundenheit zur Gegend wird in Stercks Wohnung auf kölsche Art interpretiert. Im Arbeitszimmer hängt ein Werbeplakat der Dom-Kölsch-Brauerei, das eine Kölsch-Stange neben dem Schloss Neuschwanstein zeigt. Der Slogan: „Köln ist immer da, wo ein Dom ist.“
