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Post vom BundespräsidentenVon Braunsfeld über Berlin ins ganze Land

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Köln – Und die bei den hochbetagten Empfängern in der Regel viel Freude auslöst. Zum 100. Geburtstag schickt das Staatsoberhaupt zum ersten Mal Glückwünsche, ab dem 105. Geburtstag jedes Jahr. „Mögen Ihnen noch viele glückliche Tage beschieden sein“, heißt es zum Beispiel in einem Geburtstagsbrief an eine 106-Jährige.

Wer 65, 70, 75 und 80 Jahre verheiratet ist, kommt ebenfalls in den Genuss eines Briefes mit dem noblen Absender „Der Bundespräsident“. 80 Jahre verheiratet? Auch das gibt es bereits, wenn auch selten. Ein einziges Mal im letzten Jahr unterzeichnete Horst Köhler ein solches Glückwunschschreiben, dagegen immerhin schon 27 Briefe an Paare, die Kronjuwelenhochzeit (75 Ehejahre) feiern konnten.

Was viele Bürger nicht wissen: Die bundesweiten Glückwünsche werden in Köln am PC geschrieben und ausgedruckt. Dasselbe gilt für Urkunden, die die Ehrenpatenschaft des Bundespräsidenten für das siebte Kind besiegeln. Auch sie stammen aus der Eupener Straße 125, wo das Bundesverwaltungsamt seinen Sitz hat. „Als zentraler Dienstleister des Bundes nehmen wir diese Aufgabe im Auftrag des Bundespräsidenten wahr“, erläutert Philipp Morneweg, Referatsleiter unter anderem für Ehrungsaufgaben.

Von Braunsfeld aus gehen die Schreiben und Urkunden, darunter auch herausragende Auszeichnungen im sportlichen und musikalischen Bereich, in Aluminiumkisten siche verpackt mit der Behörden-Flugpost nach Berlin. Der Bundespräsident muss dann nur noch unterschreiben. Was er auch persönlich tue, wie Morneweg betont. Das bedeutet, dass auch der erste Mann im Staat schon mal vorarbeiten muss, wenn er sich auf Dienstreise begibt. Etwa zwei Tage vor den Alters- und Ehejubiläen werden die Briefe vom Bundespräsidialamt verschickt, damit sie pünktlich eintreffen. Dass ein bereits „eingetüteter“ Brief an den Empfänger doch nicht rausgeht, ist auch schon passiert - weil der Tod dem Ehrentag im letzten Moment zuvorkam.

Die Termine für die hohen Geburtstage und Ehejubiläen erfährt das Bundesverwaltungsamt in der Regel von den Gemeinde- und Bezirksämtern. Den Antrag auf Übernahme der Ehrenpatenschaft dagegen müssen Mütter oder Väter selber ausfüllen und der Kölner Behörde zusenden. Wichtige Voraussetzung: Alle sieben Kinder müssen von denselben Eltern stammen, wie Sachgebietsleiterin Anneliese Weyrich erläutert. Außerdem müsse die Familie die deutsche Staatsangehörigkeit haben. Neben der Urkunde und einem Porträt - „eine Art Autogrammkarte“ - vom amtierenden Bundespräsidenten erhalten die Familien für das siebte Kind - die Festlegung stammt noch von Theodor Heuss - ein Geldgeschenk in Höhe von 500 Euro. „Bei Mehrlingsgeburten“, so die Verwaltungswirtin, „gibt es das Geld für jedes Kind.“ Geld, Urkunde und Bild würden nicht verschickt, sondern persönlich überreicht, zum Beispiel durch den Bürgermeister.

Für zwei Ehrenpatenschaften verzögert sich derzeit allerdings die Verleihung - die Bilder von Bundespräsident Christian Wulff stünden noch nicht zur Verfügung.

Allein im letzten Jahr setzte sein Vorgänger Horst Köhler 12 119 Mal seine Unterschrift unter Ehrenpatenschafts-Urkunden und Glückwunschschreiben für Alters- und Ehejubilare. Tendenz steigend - wegen der Altersentwicklung. Wie sie sich auswirkt, verdeutlicht der Vergleich mit dem Jahr 2001. Vor neun Jahren versandte das Bundespräsidialamt „erst“ 7425 Briefe und Urkunden. Dort gehen im Übrigen auch die Dankesschreiben ein, die gar nicht mal so selten sind.

Einmal, berichtet Petra Diroll vom Bundespräsidialamt, hätten Eltern dem prominenten „Patenonkel“ einen Weihnachtsgruß mit Foto zugesandt, auf dem die sieben Kinder Nikolausmützen trugen. Ein andermal habe eine „topfit“ aussehende 100-Jährige ein Bild von sich mit Geburtstagsstrauß geschickt. Was Diroll am bemerkenswertesten findet: Die Briefe der „älteren Herrschaften“ seien alle von Hand geschrieben, manche noch in Sütterlin und viele von einer Akkuratesse, wie man sie heute kaum noch erlebe.