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Post vom Landrat kommt privat

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RHEIN-SIEG-KREIS. Für Willi Schiefer geht die Post jetzt richtig ab. Der 52-Jährige arbeitet für den privaten Briefzusteller Aivos und ist für den Rhein-Sieg-Kreis verantwortlich. Anfang August hat er mit der Kreisverwaltung in Siegburg den ersten großen Kunden an Land gezogen. Nach einer europaweiten Ausschreibung hatte der Bau- und Vergabeausschuss des Kreises der Firma Aivos den Auftrag erteilt, die Verwaltungspost im Kreisgebiet zuzustellen. Der Vertrag sei unbefristet, könne aber auch jederzeit fristlos gekündigt werden, teilte Kreis-Pressesprecher Thomas Wagner mit.

„Jetzt fängt es langsam an, interessant zu werden“, sagte Schiefer, der hofft, bald auch für die Städte und Gemeinden im Kreis die Post zuzustellen. In Lohmar-Donrath betreibt er seit März eines von insgesamt 60 Aivos-Depots in ganz Deutschland. Für rund 30 Kunden im rechtsrheinischen Kreisgebiet stellt er Briefe zu. Die Firma Aivos, die ihren Sitz in Bamberg hat, übernimmt ausschließlich gewerbliche Post, arbeitet beispielsweise für Ärzte, Rechtsanwälte und Steuerberater. Das Unternehmen besitzt eine offizielle Lizenz der Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation. Damit ist Aivos verpflichtet, sich an Post- und Datenschutzgesetze zu halten.

Zwischen 1500 und 2000 Briefe befördern Schiefer und seine rund 25 Mitarbeiter pro Tag. Nachmittags wird die Post mit dem Pkw bei den Kunden abgeholt und ins Depot nach Donrath gebracht. Dort laufen die Briefe durch eine Frankiermaschine und erhalten das Firmenlogo mit dem Aivos-Schriftzug und dem kleinen Briefumschlag. Anschließend wird die Post sortiert und an die Zusteller verteilt, die die Briefe am nächsten Morgen mit dem Auto in ihrem Bezirk ausliefern. Für die Zustellung eines so genannten Standardbriefes verlangt Aivos 43 Cent plus Mehrwertsteuer. Für die Kreisverwaltung kostet die Beförderung eines Briefes also rund 50 Cent. Das bedeute voraussichtlich eine Ersparnis von etwa 17 000 Euro pro Jahr gegenüber der Zustellung durch die Deutsche Post, so Thomas Wagner.

Bis zum Ende des Jahres will Schiefer sein Geschäft erheblich ausweiten. „Wir wollen nun das linksrheinische Kreisgebiet erschließen“, kündigte er an. Auch in Bonn wolle der Post-Konkurrent Fuß fassen. Ziel sei es, die Anzahl der täglich beförderten Briefe auf bis zu 10 000 zu steigern. „Dabei müssen wir auch die Zahl unserer Mitarbeiter mindestens verdoppeln“, sagte Schiefer. Bereits in diesem Monat - nachdem die Kreisverwaltung Kunde bei Aivos geworden war - hatte das Unternehmen sieben neue Zusteller eingestellt, die jedoch zunächst ein vierwöchiges Praktikum absolvieren müssen. „Wir arbeiten mit dem Arbeits- und dem Sozialamt zusammen“, so Schiefer. „Ich hoffe, dass wir ihnen in Zukunft noch mehr Leute abnehmen können.“

Im kommenden Jahr will der Post-Konkurrent, der bislang nur regional tätig ist, sich weiter vergrößern und bundesweit flächendeckend Briefe zustellen. „Das bedeutet, dass wir auch nachts Briefe sortieren müssen, die dann über ein Zentraldepot bei Frankfurt in ganz Deutschland verschickt werden“, erläuterte Schiefer. Dann geht die Post so richtig ab, „aber man macht es ja gerne, wenn man sieht, dass es voran geht“, betonte der 52-Jährige. „Und im Moment ist die Tendenz absolut positiv.“