BONN. Einen weiten Bogen - von den alten Römern über das Mittelalter bis zur Neuzeit - spannt die Ausstellung Stätten des Rechts in Bonn, die am Montagabend im Landgericht an der Wilhelmstraße eröffnet wurde. Und zwar vor einem besonders sachkundigen Publikum, nämlich den Teilnehmern des 35. Deutschen Rechtshistorikertages, der noch bis zum 17. September in der Bonner Universität tagt.
Zwar gibt sich die Präsentation, die nur aus Bildern und Texten besteht, optisch ein wenig spröde. Noch nie aber wurden die Bonner Rechtsstätten über einen Zeitraum von 2000 Jahren so detailliert und spannend dargestellt. Die Ausstellung ist bei freiem Eintritt noch bis zum 24. September zu sehen. Die begleitende Publikation von Mathias Schmoeckel und Norbert Schloßmacher, die massiv von dem Bonner Rechtsdezernenten Guido Kahlen unterstützt wurde, ist während des Deutschen Rechtshistorikertages im Hauptgebäude der Uni und während des anschließenden Deutschen Juristentages (21. bis 24. September) im Hotel Maritim für einen Euro erhältlich und danach - zu einem höheren Preis - im Buchhandel und im Bonner Stadtarchiv.
Ausführlich erläutert wird in Ausstellung und Buch das Rechtswesen im römischen Legionslager und in der zivilen Vorstadt (Bereich Beethovenhalle / Oper) sowie im Cassiusstift, von dem noch der Grundriss der Gerichtsvorhalle aus dem 11. Jahrhundert vor dem Nordeingang auf dem Münsterplatz zeugt.
Ebenso ausführlich gehen die Autoren auf die Prangersäule aus rotem Sandstein - vermutlich eine wiederverwendete antike Säule - und das steinerne Wölfchen ein. Dieses Wölfchen stand im Mittelalter ebenfalls auf dem Münsterplatz und wurde Ende des 19. Jahrhunderts auf einer Säule an der Vivatsgasse platziert. Heute präsentiert sich dort eine Kopie; das Original - eine plumpe mittelalterliche Nachbildung eines antiken Skulpturentyps (Löwe schlägt Lamm) steht heute im Alten Rathaus. Vor diesem Wölfchen mussten sich im Mittelalter dreimal im Jahr alle Bonner zur Verlesung des Schöffenweistums versammeln.
Erstmals beschrieben wird der Blaue Stein von Endenich, der bis 1701 im Bereich der heutigen Kreuzung Nussallee / Endenicher Allee stand und zu dem zum Tode Verurteilte vor der Exekution zur Erleichterung ihres Gewissens geführt wurden. Aufschlussreich in Ausstellung und Buch auch die Beschreibungen der beiden Bonner Galgenplätze auf dem Rodderberg und an der Kölnstraße sowie des Karzers der Universität.
Die Ausstellung ist bis zum 24. September montags und dienstags von 7.30 bis 16 Uhr und mittwochs bis freitags von 7 bis 16 Uhr geöffnet; aus Sicherheitsgründen gibt es Einlasskontrollen.