Hürth – Er war der letzte katholische Pfarrer in Hürth mit nur einer Gemeinde, und er war es 36 Jahre lang: Pastor Rudolf Kusch feiert am Samstag, 4. September, sein Goldenes Priesterjubiläum in seiner ehemaligen Gemeinde St. Johannes Baptist in Kendenich.
„Ich bin dankbar, dass ein solches Fest Menschen zusammenführt“, sieht der 76-jährige Geistliche der Feier entgegen, die um 16 Uhr mit einem Gottesdienst beginnt. „Da mache ich den Kendenichern viel Arbeit“, fügt er schmunzelnd hinzu.
In der Wahl des Datums für die Priesterjubiläumsfeier drückt sich die „fruchtbare Verschränkung“ von kirchlichem und weltlichem Leben aus, die sich Pfarrer Kusch immer für die Menschen in seiner Gemeinde wünschte. Denn seine Feier ist eingebettet in das Fest des Tambourcorps Edelweiß und die Kirmes in Kendenich. „Alle, die in meiner Zeit in der Gemeinde mitwirkten, gehörten auch zu Vereinen“, weiß Kusch. Deshalb fühlte sich auch der aus Oberschlesien stammende Pfarrer „innerlich beheimatet“ in Kendenich.
Doch in den vergangenen fünf Jahren hatte Rudolf Kusch Abstand halten müssen von „seinem“ Kendenich. Das war nach dem Abschied als Pfarrer nicht nur der Wunsch des Bischofs, sondern auch sein eigener. Die Kendenicher Gemeinde war bereits 2003 in einem Pfarrverband mit Alt-Hürth, Berrenrath und Fischenich eingegliedert worden, und Kuschs Nachfolger sollte Freiraum haben, um die Gemeinden zusammenzuführen. „Da störe ich“, meinte Rudolf Kusch damals, 2005, und wählte die ehemalige Kaplanei gegenüber der Kirche St. Severin in Hermülheim als Altersruhesitz.
Schließlich war eine Bastion mit dem Weggang des Kendenicher Pastors gefallen: 15 Jahre lang hatte sich die Gemeinde erfolgreich gegen das Unvermeidliche, den Zusammenschluss von Pfarreien, zur Wehr gesetzt. „Wir alle wussten, wir werden uns mit dem Neuen anfreunden müssen, aber dass für Aufschub kämpften, führte uns sehr eng zusammen und stachelte den Willen zur Mitarbeit in der Gemeinde an“, erzählt Kusch. „Die Entwicklung der Kirche zu sehen, das tut weh“, sagt er noch manchmal. Andererseits spricht er oft davon, dass es ihn „froh“ mache, sich noch „nützlich“ machen zu dürfen.
Zu den „nützlichen“ Aufgaben gehören die Gottesdienstes, die er vor allem im Anna-Haus der Caritas hält, aber auch im Rudi-Tonn-Altenheim und im Sana-Krankenhaus. In einem privaten Altenheim in Kommern ist der Geistliche ebenfalls gerne gesehen, und er macht sich jeden Sonntag mit einem seiner drei Fahrräder auf nach Klettenberg, um dort Kleinkindergottesdienste zu halten.
So lang wie die Liste der Tätigkeiten des Pfarrers im Ruhestand ist auch die Aufzählung seiner Ehrenmitgliedschaften, darunter bei den Kendenicher Burgknappen, beim Quartett-Verein und bei der Hürther Feuerwehr.
Die Priesterweihe empfing Rudolf Kusch am 19. Juli 1960 von dem legendären Kardinal Frings. Es folgen vier Jahre als Kaplan in Neuss-Norf und fünf Jahre in der Gemeinde St. Clemens in Köln-Niehl.
„Das steckte drin“, antwortet Kusch auf die Frage nach seiner Berufung. Als Achtjähriger habe er sich aus Handtüchern ein Messgewand zurechtgeknotet, in einer Büchse Laub als „Weihrauch“ verbrannt und mit seiner Schwester als Messdiener Gottesdienste „gefeiert“.
Aus Cosen an der Oder kam Kuschs Mutter mit ihm und seiner Schwester im April 1946 nach Köln-Sülz, später nach Frechen. Der Vater war im Januar 1945 gestorben. Die Mutter heiratete einen Witwer mit zehn Kindern, so dass Kusch heute 35 Nichten und Neffen hat. Rund 50 Verwandte werden zu seiner Priesterjubiläumsfeier anreisen, darunter die sechs Wochen alte Paula.
Gleich die erste Bewerbung auf eine Pfarrerstelle brachte Rudolf Kusch 1969 nach Kendenich. Seine Mutter führte ihm bis zu ihrem Tod 1985 den Haushalt. In dem evangelischen Pfarrer in Kendenich, Joszef Glatz, fand Kusch einen Amtskollegen, den er „Bruder“ nennt. Deshalb wird auch Glatz neben Kuschs Nachfolger Reinhold Steinröder im Gottesdienst eine Ansprache halten. Und mit Pastor Rudolf Kusch zusammen werden 16 Goldhochzeitspaare ihr Jubiläum feiern.
