LINDLAR. Es war einmal ein stolzes Unternehmen mit bundesweit fast 1000 Mitarbeitern - Pro Reha mit Sitz im Industriegebiet Klause. Doch dann ging es Stück für Stück bergab, zuletzt gab es nur noch 140 Angestellte, davon 35 in Lindlar. Mitte April wurde bekannt, dass Pro Reha im Insolvenzverfahren steckt (die BLZ berichtete).
Am 20. Mai wurde Masseunzulänglichkeit erklärt. Jetzt ist Pro Reha zahlungsunfähig, die Mitarbeiter sitzen auf der Straße. Schwere Vorwürfe erhebt nun die Gewerkschaft Verdi gegen die Pro-Reha-Geschäftsführung . Wir haben den Verdacht, dass die Firma bewusst in die Insolvenz getrieben wurde, um sich kostengünstig Waren zu sichern und die Beschäftigten loszuwerden, meinte Gewerkschaftssekretär Rainer Kau. Ein Mitarbeiter von Pro Reha hat darüber hinaus Strafanzeige gegen das Unternehmen gestellt, der Verdacht: Insolvenzbetrug.
Ein Rückblick auf die Firmengeschichte verdeutlicht, worum es dabei geht. 1986 gründeten Peter Prinz und Gregor Lüdenscheid die Pro Reha GmbH. Das Unternehmen handelte bundesweit mit Rehabilitationshilfsmitteln wie Rollstühlen, rechnete mit den Krankenkassen direkt ab. Mit der Krise des Gesundheitssystems in den 90er Jahren rutsche auch Pro Reha in die roten Zahlen. Die Firma wurde 1995 vom Gehe-Konzern übernommen, 1999 trennte man sich wieder. Ein Großteil der damals rund 700 Mitarbeiter wurde entlassen. Dann ging Pro Reha an den Pharmariesen Fresenius. Aber auch diese Ehe endete nicht glücklich. Im September 2002 verkaufte Fresenius Pro Reha an den einstigen Vater des Unternehmens, Peter Prinz.
Wir hatten schon unsere Aufhebungsverträge und waren sehr glücklich, sagt Barbara Frank, Betriebsratsvorsitzende von Pro Reha. Wenn es einer schafft, dann er, das sei die Hoffnung im Unternehmen gewesen. Doch kurz darauf war Schluss, Pro Reha meldete Anfang 2003 vorläufige Insolvenz an. Nachdem das Unternehmen nicht mehr über genügend Mittel verfügt, haben mittlerweile alle Mitarbeiter ihre Kündigung erhalten. Eine Notbesatzung von neun Angestellten kümmert sich derzeit um die Abwicklung.
Betriebsrat und Gewerkschaft wurden hellhörig, als sie erfuhren, dass Mitte Mai in Engelskirchen ein neues Unternehmen gegründet wurde, die Visanus GmbH. Die Geschäftsführer: Michael Passberger, früherer Niederlassungsleiter bei Pro Reha, und Peter Prinz. Ebenso wie Pro Reha handelt Visanus mit medizinischen Geräten und Hilfsmitteln für Behinderte.
Von der BLZ auf die Strafanzeige angesprochen, reagierte Prinz sehr überrascht. Die Vorwürfe sind eine Sauerei, da ist nichts dran. Er sei 2002 bei seinem alten Unternehmen Pro Reha in der Hoffnung eingestiegen, das Büdchen wieder flott zu kriegen. Das sei leider nicht geglückt. Prinz sieht sich als Opfer einer Hexenjagd. Er habe immer mit dem Betriebsrat Gespräche geführt.
Betriebsratsvorsitzende Barbara Frank sieht das anders. Wir haben immer wieder versucht, mit Herrn Prinz zu sprechen, leider vergeblich. Es sei wichtig, dass der Verdacht des Insolvenzbetrugs jetzt juristisch überprüft werde. Wie weit die Ermittlungen derzeit sind, das steht noch nicht fest. Insolvenzberater Dr. Henning Dormann war gestern für die Presse nicht zu sprechen. Und die Staatsanwaltschaft Köln konnte die Unterlagen über die Strafanzeige zumindest gestern nicht finden. (cor)