Abo

Probst, Propst oder was?

2 min

PROP(B)STBALKEN. An der K 38 liegt im Stadtgebiet Overath zwischen Kreutzhäuschen und Hammermühle ein Weiler, über den in der Zeitung zu berichten ein ganz eigenes Problem mit sich bringt: Es gibt keine einheitliche Schreibweise. Propstbalken oder Probstbalken, p oder b, das ist die Frage, die es bis in den Stadtrat schaffte.

Denn auf dem neuen Ortsschild steht ein p, auf dem Straßenschild aber ein b. Die amtliche Karte des Rheinisch-Bergischen Kreises führt ein b, ebenso die üblichen Stadtpläne. Die deutsche Grundkarte allerdings entscheidet sich für p. Und das Liegenschaftskataster des Kreises zeigt sich in diesem Fall bürokratisch unkorrekt, aber salomonisch: Die Überschrift über dem Kartenblatt führt ein p, die Karte selbst ein b.

Nun gut, wo die neuen Karten versagen, muss man sich halt zur Quelle durchgraben, dem Urkataster von 1827. Das führt nach Auskunft der Kreissprecherin Birgit Bähr ein b - aber kein t, also Probsbalken. „Zwischen dem b und dem s ist so ein kleiner Haken, den könnte man für ein t halten, es könnte aber auch Fliegendreck sein“, sagt Bähr. Es ist zum Verzweifeln.

Wie gut, dass Overaths Bürgermeister Andreas Heider Historiker ist, dessen Großvater zudem einen der Balken-Höfe führte. Die Herkunft des Ortsnamens sei das lateinische prepositus, der heutige Propst als Vorsteher des Ablegers eines Klosters. Das passt, denn der 1280 erstmals erwähnte Einzelhof Balken wurde 1342 der Propstei Cyriax, die zur Siegburger Abtei gehörte, zugewiesen. Also p? Nicht so rasch, denn im Altdeutschen wurde prepositus zu probost, im Mittelhochdeutschen zu brobest. Also b? So führen es Hofgerichtsprotokolle, Urkunden und Literatur bis in die 50er Jahre, so Heider. Ab da verfiel man - aus unerklärlichen Gründen - wieder auf das p.

Und jetzt? Vereinheitlichen, sagt Heider und spricht sich für das p aus. Vereinheitlichen, dachte sich im März unabhängig davon bereits ein Mitarbeiter aus dem Bauamt und rief mit dieser Bitte beim Kreis an. Dessen Mitarbeiter entschied sich für das b. „Das kann man wieder ändern“, macht Bähr Heiders geliebtem p Hoffnung. Was würde wohl der Pürger, äh der Bürger wollen?