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Professor (75) am Beckenrand

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Heiner Brinkmann ist für viele Sommergeplagte ein Held. Der 75-Jährige, einst Professor an der Sporthochschule, hatte am Freitag in der Zeitung gelesen, dass das Schwimmstadion in der Lentstraße nur deshalb erst um 12 Uhr öffne, weil kein Schwimmmeister zur Verfügung steht. „Als ich das las, habe ich gleich angerufen und mich angeboten“, sagt der zweifache Großvater. Auch Ehefrau Erika (74) ermunterte ihn. Am Dienstag war er bereits auf Honorarbasis für vier Stunden wochentags eingestellt, das Bad öffnet seitdem um 10 Uhr.

Als gestern der Zeiger auf der Schwimmbaduhr auf die zehn vorrückte, hatten schon mehr als 50 Gäste das Drehkreuz passiert. „Erstaunlich wie kurzfristig das angenommen wird“, findet Brinkmann, dem die Dankesworte der Badbesucher manchmal peinlich sind. „So viel Freundlichkeit habe ich während meiner Berufstätigkeit kaum erlebt.“

Schwimmmeister ist Brinkmann seit 1954. Der einstige deutsche Hochschulmeister im Wasserball lehrte von 1956 bis 1996 an der Sporthochschule, trainierte einst Poseidon Köln und heute noch ein Leistungsteam aus Bergisch Gladbach. Locker joggt der Rentner an den Becken entlang mit dunklen Shorts und weißem Poloshirt. Die Narbe am linken Knie stammt von einer Operation: „Das Gelenk ist eine Prothese. Auch die Hüfte ist künstlich.“ Trotzdem treibt er Sport. „Ich laufe Ski und spiele Tennis, ab und zu auch Golf.“ Am liebsten geht er aber schwimmen. „Drei Mal die Woche schaffe ich 1500 Meter, nur hier geht das leider nicht, dafür ist zu viel zu tun.“

Schon um 8 Uhr geht die Arbeit los. Eine gute Stunde lang will der Reinigungsroboter über den Grund des 50 mal 36 Meter großen Beckens manövriert werden. „Am Anfang zeige ich mich mal in der Schwimmmeisterkabine, damit die Leute wissen, wer der Neue ist, aber in der Kiste ist es viel zu heiß.“ Also läuft Brinkmann am Becken auf und ab. Zwei Rettungsschwimmer der DLRG stehen ihm zur Seite, aber auch er könnte jemanden retten. „Das habe ich zuletzt mit einer Prüfung vor zwei Jahren nachgewiesen.“

Bis zu 2600 Menschen passen in das Bad. „Ich öffne nur immer ein Sprungbrett und achte darauf, dass alle ordentlich hintereinander auf die Rutsche gehen.“ Um 12 Uhr ist der Job getan. Dann übergibt Brinkmann an einen der beiden Schwimmmeister-Kollegen. Sein Vertrag endet mit den Sommerferien, läuft also nur noch knapp zwei Wochen. Eine Verlängerung ist möglich. Voriges Jahr hatte das Bad noch um 9 Uhr geöffnet.

Und wenn der Job vorbei ist? Dann hat Brinkmann vielleicht Zeit, die Fünf-Meter-Jolle aus seiner Garage in Dünnwald zu holen und aufs Wasser zu setzen. Wasser muss sein.