BONN. Die Prozesse gegen die in den vergangenen Jahren brutal agierenden Mitglieder eines Bonner Zuhälterrings à la St. Pauli reißen nicht ab. Nachdem ihr 23-jähriger Boss mit dem Spitznamen Costa und einige seiner Kumpel schon 2002 verurteilt worden sind, muss sich seit gestern ein 21-jähriger Aushilfsgärtner wegen einer Menge gravierender Gewalttaten vor der 2. Großen Bonner Strafkammer verantworten. Er soll eine 24 Jahre alte Prostituierte, mit der er sich nach einem Bordellbesuch angefreundet hatte, brutal gequält, geschlagen, beleidigt, bedroht und finanziell ausgebeutet haben.
So legt ihm die Anklage zur Last, dass er die Frau nach einem heftigen Streit am Rheinufer mit Benzin übergossen und gedroht haben soll, sie anzuzünden. Sein gleichaltriger Freund habe bei der Quälerei zugeschaut, ohne dem Opfer zu helfen. Er muss sich deshalb vor Gericht wegen Beihilfe und unterlassener Hilfeleistung verantworten.
Zu Prozessbeginn ging der Hauptangeklagte gestern auf den Vorschlag des Vorsitzenden Richters Dr. Klaus Haller nicht ein, lieber die Hosen runterzulassen, wenn er die Taten begangen habe, da sich eine Lebensbeichte grundsätzlich strafmildernd auswirken würde. Der Gärtner zog es vielmehr vor, sich immer wieder herauszuwinden. Obgleich er einen schnittigen, sündhaft teuren Ferrari fuhr, wies er die Behauptung des Anklagevertreters weit von sich, seine Freundin habe täglich 1000 Mark (etwa 500 Euro) bei ihm abliefern müssen. Und wenn sie nicht genug eingenommen hatte, habe es Prügel gesetzt.
Es stimme auch nicht, so der Angeklagte, dass er sie mit Benzin übergossen habe. Das habe er nur gedroht. Verärgert gab der Gärtner zum Besten: Ich bereue, dass ich diese Frau kennen gelernt habe. Sie lüge. Er habe sie auch nicht gequält, indem er ihr eine Hundekette angelegt habe. Und er habe sie auch nicht gezwungen, ohne Kondom zu arbeiten. Es sei auch gelogen, dass er sie an den Haaren zu Boden gerissen und auf ihr herumgetrampelt sei.
Sprachlos reagierten dann die Prozessbeteiligten, als der Angeklagte von sich gab: Ein Zuhälter wird nicht geboren. Man wird von einer Frau zum Zuhälter gemacht. Richter Haller schienen die Unschuldsbeteuerungen des Gärtners jedenfalls nicht zu überzeugen. Ich würde mir das alles noch mal bis zum nächsten Prozesstag gründlich durch den Kopf gehen lassen, riet er ihm, denn es sieht insgesamt gar nicht gut für Sie aus.
Dass das Gericht nicht mit sich spaßen lässt, das hatte auch Costa im Dezember 2001 am eigenen Leib erfahren. Er war damals wegen schweren Menschenhandels, Zuhälterei und sexuellen Missbrauchs einer 12-Jährigen zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden.