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Pützchens MarktFamilienausflug auf die Marktwiesen

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Viele Familien machten Samstag und Sonntag einen Ausflug zur rheinischen Großkirmes, die noch bis Dienstag dauert.

BONN – BONN. So schnell kann sich auf Pützchens Markt das Wetter ändern. Am Freitag prasselte ein heftiger Regenschauer auf das Dach des Bayernzeltes. Und wenige Stunden später am Samstag bescherte der Himmel der Kirmesstadt ein Sonnenparadies mit Temperaturen über 25 Grad.

Noch nie strömten an diesem Tag so viele Familien mit kleinen und großen Kindern zur Kirmes. Peter Barth, der Sprecher der Schausteller, schwärmte: „So einen Familientag hat es am Samstag noch nie gegeben."

Der große Treck mit Kind und Kegel setzte schon nach dem Frühstück ein. Tagsüber war der Kirmesplatz fest in der Hand von Mama und Papa mit den Sprösslingen und von Opa und Oma mit den Enkeln. Es herrschte unbeschwerte Kirmesfreude. In der Kategorie „Dreikäsehoch" erlebten besonders die beliebten Kinderkarussells einen enormen Ansturm. Bei Fahrzeugen von Feuerwehr und Polizei, Treckern und Kranwagen tobte der Kampf um die besten Plätze am Steuer oder am Martinshorn. Wer hatte eigentlich mehr Spaß? Die Pänz oder ihre familiäre Schutztruppe?

Die Kategorie i-Dötzchen und älter traute sich da schon an die Attraktionen, die Nervenkitzel, Kick und Mutproben versprachen. Das waren zum Beispiel der Doppellooping „Teststrecke", die Schwindel erregende Expedition mit „Airwolf" oder der Schleudersitz, der bei „Booster Maxxx" die „Helden" in 55 Metern Höhe katapultierte.

Erfreulich, dass die heute noch vertrauten, aber längst schon nostalgischen Vorreiter der klassischen Jahrmarktsgeschichte noch nicht ganz von der Bildfläche verschwunden sind. Ein Beispiel dafür ist die Kinder-Schiffschaukel, die schon vor Jahren aus dem Verkehr gezogen wurde und viele Jahre in einer Halle vor sich hingammelte. Der Schausteller Hans-Peter Markmann entdeckte darauf die Jahreszahl 1910 und möbelte das Gerät zum 100. Geburtstag wieder auf. Die Resonanz, die er nach der liebevollen Renovierung des Oldtimers findet, bestärkt ihn darin, trotz modernster Technik und Geschwindigkeitsrausches die Erinnerung an die Wurzeln der Schausteller wach zuhalten.

Während des Schausteller-Gottesdienstes gestern Morgen in der Bayern-Festhalle brannte die Sonne auf das Zeltdach. Um die Mittagszeit verschwand sie allerdings und der Himmel veränderte sich bedrohlich mit aufgetürmten Wolken. Erster Hauptkommissar Bert Kluth, der polizeiliche Einsatzleiter, beschwichtigte: „Wolken und Regen ziehen westlich an uns vorbei" - er behielt leider nicht Recht.

Bei der Sonntagsmesse, die Schausteller-Seelsorger Martin Fuchs zusammen mit Ortspfarrer Kurt Padberg und Polizeiseelsorger Paul Nöbel zelebrierte, gab es eine Neuerung: Erstmals war Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch mit dem Klingelbeutel unterwegs, um Spenden für die Schausteller-Seelsorge einzusammeln.

Bei der gestrigen Halbzeitbilanz wurden nur positive Botschaften gemeldet. Bezirksbürgermeister Wolfgang Hürter lobte die Marktverwaltung für eine gelungene Umsetzung des neuen Sicherheitskonzeptes. Er erwähnte besonders Evi Zwiebler, Günter Dick und Dieter Schubert als bewährtes „Dreigestirn". Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste sprachen von „erstaunlich ruhigem Verlauf“ der ersten drei Tage. Lediglich ein Besucher erlitt eine Augenverletzung, er wurde in die Uni-Klinik gebracht. 51 Fahrzeuge wurden abgeschleppt, weil sie die Fluchtwege behinderten. Diese Zwischenbilanz liegt jetzt schon über der Gesamtzahl des vergangenen Jahres.

Nach den ersten drei Markttagen wird die Besucherzahl auf 650 000 geschätzt. Die Erwartung steht nach wie vor auf „eine Million plus X“.