HENNEF. 19 Jahre war Hildegard Gräf eine zufriedene Mieterin. Die Zwei-Zimmer-Wohnung mit Wintergarten im 1985 gebauten Haus am Hennefer Marktplatz hat sie sich schon mit Blick aufs Alter ausgesucht. Mitten in der Innenstadt braucht sie kein Auto, und es gibt einen Aufzug. Doch seit einem Jahr ist Frau Gräf gar nicht mehr glücklich zu Hause. Ein rätselhafter Brummton treibt die 69-Jährige schier zur Verzweiflung.
Ende März 2004 fing das an, was Hildegard Gräf mittlerweile als psychischen Terror empfindet. Das tiefe Summen und Brummen scheint aus den Wänden zu kommen. Manchmal hört es sich an wie ein Automotor im Leerlauf, berichtet die Rentnerin, die über Wochen und Monate hinweg Dauer und Intensität der sehr unregelmäßig wiederkehrenden Geräuschbelästigung schriftlich dokumentiert hat. 5 Uhr starker Motorenton hat sie beispielsweise am 16. Juli notiert, am 8. März dieses Jahres war es seit 8.30 Uhr durchgehendes Dröhnen, und am 20. Mai 2004 war es so schlimm, dass sie als Zusatz schrieb: Das ist Folter. Vier Monate später zeitigte der seelische Stress gesundheitliche Folgen: Frau Gräf litt 14 Tage unter einer Magenschleimhautentzündung.
Selbstredend hat Hildegard Gräf alles versucht, um auch mit Hilfe des Hausmeisters und des Haustechnikers die Schallquelle ausfindig zu machen - bisher vergeblich. Die Kühlanlage eines Geschäfts, die Tiefgaragenlüftung und die Mobilfunkantenne auf dem Dach kommen nicht in Frage, da der Brummton auch bei abgeschaltetem Zustand zu hören war beziehungsweise die Frequenz nicht stimmen kann. Im August hatte die Vermieterfirma Soka-Bau (Wiesbaden) Messungen durchführen lassen. Das Ergebnis des Gutachtens bekam Hildegard Gräf im November mitgeteilt. Es war enttäuschend: Der von ihr beklagte Brummton, der sich zwischenzeitlich verändert habe, wurde nicht nachgewiesen. Darauf berief sich Soka-Bau auch in einer Antwort auf den Brief einer Nachbarin, die das dumpfe Brummen ebenfalls wahrnimmt.
Hildegard Gräf wandte sich an das städtische Umweltamt, das sich jedoch nicht zuständig fühlte und ein Akustikbüro empfahl. Mehr Glück hatte die Henneferin beim Staatlichen Umweltamt Köln. Dessen Messtechniker kamen sogar vier Mal zu ihr in die Wohnung, doch ausgerechnet zu Zeiten, an denen die mysteriösen Töne gerade nicht zu hören waren. Das Problem, keine stichhaltigen Beweise zu haben, hofft die Henneferin über die Osterfeiertage gelöst zu haben. Da stand in ihrer Wohnung ein großes Mikrofon und ein Aufnahmegerät des Staatlichen Umweltamtes. Damit zeichnete sie sowohl sechs Mal den Brummton als auch zwei Ruhephasen zum Vergleich auf. Jetzt wartet sie gespannt auf die Auswertung des Bands.