MOERS / KAMP-LINTFORT. Zwei mit angeklebten Bärten und Perücken Maskierte nehmen die Familie des Hauptkassierers der Sparkasse Gummersbach als Geisel, binden ihm eine Bombenattrappe um den Bauch, erpressen so rund 700 000 Mark und entkommen unerkannt. So geschehen im September 2001. Und dann hatten die Geiselnehmer ein Problem. Ein Teil der Beute bestand aus registrierten Geldscheinen und musste gewaschen" werden.
Geiselnehmer Jan K. (Namen geändert) kannte einen Mann aus Kamp-Lintfort, der ihm für solche Geschäfte geeignet erschien. Doch der Deal, den der 67-Jährige einfädeln sollte, ging gründlich in die Hose. Bei der Geldübergabe im Security House" in Zürich wurde Jan K. mit 300 000 Mark im Gepäck von der Schweizer Polizei verhaftet, der 67-jährige Fritz K. aber konnte flüchten. Dummerweise blieben Unterlagen - inklusive einiger Diamantsplitter - zurück, die die Fahnder von Zürich aus direkt bis an den Niederrhein führten.
Gestern stand Fritz K. wegen versuchter Geldwäsche vor dem Schöffengericht. Das Urteil: eineinhalb Jahre mit Bewährung.
Die Strafe ist ein ganz schöner Batzen", meinte der Vorsitzende Richter Wolf Volkmer. Sie wird Sie von weiteren Straftaten abhalten. Mit den eineinhalb Jahren blieben die Richter unter dem Antrag des Staatsanwaltes, der meinte, dass der Angeklagte gelogen hat, dass sich die Balken biegen.
Der Staatsanwalt: Für ihn spricht kein Geständnis, rein gar nichts. Sein Antrag lautete daher zweieinhalb Jahre Gefängnis - allerdings ohne Bewährung.
Der Verteidiger des 67-Jährigen wollte indes die Kirche im Dorf lassen. Immerhin habe Fritz K. den 40-jährigen Erpresser schon neun Jahre lang gekannt. Und erst nachdem sein Mandant das Geschäft schon eingefädelt hatte, sei Jan K. damit herausgekommen, dass das Geld aus einem Raub stamme. Dieser Hinweis jedoch sei viel zu nebulös gewesen. Im übrigen sei ein solcher Geldumtausch in der Schweiz üblich. In Osteuropa beispielsweise liefe fast alles nur cash.
Der zu sieben Jahren und neun Monaten verurteilte Erpresser und Geiselnehmer Jan K. sagte gestern als Zeuge aus. Der Geldwäsche-Deal sollte ihn und seinen Komplizen 30 Prozent kosten, macht bei 300 000 Mark 90 000 Mark minus. Zehn Prozent, also 30 000 Mark, hätte die Provision des Kamp-Lintforters betragen, wenn die heißen 1000-Mark-Scheine in sauberes Geld umgetauscht worden wären. Der Rest der Beute, also 400 000 Mark, bestand aus nicht registrierten kleinen Scheinen. Jan K. scheint übrigens geläutert: Er will im Gefängnis studieren.