TROISDORF – Immer wieder verkauft an in- und ausländische Firmen und Investoren wurden große Industriebetriebe im Kreisgebiet. Wobei dann meist die Arbeitsplätze schrumpften. Reifenhäuser mit 1200 Beschäftigten, davon 800 in Troisdorf und 220 in Worms, ist da ganz, ganz anders: Familiär, fürsorgend und sich auf eigene Stärken besinnend. Sowie auf eigene Entwicklungen im weltweit größtem privaten Technikum für Extrusionen mit 150 Ingenieuren in Troisdorf.
Das alles war deutlich zu spüren bei der 100-Jahr-Feier der Kunststoff-Maschinenfabrik. Wie in einer riesigen Familie wurde gefeiert. Dafür gab es ein Riesenzelt. 1600 Gäste an Tischen füllten es am Samstag bei der ganztägigen Jubiläumsfeier mit Geschäftspartnern und Mitarbeitern. Am Sonntag war mit 3000 Gästen Familientag, die Mitarbeiter brachten Angehörige mit.
Bernd Reifenhäuser, Geschäftsführer in der dritten Generation, Großvater Anton war 1911 mit einer Schmiede gestartet, brachte es bei seiner Ansprache auf den Punkt: Wie sein Vater Hans schon zum 75-Jährigen gesagt habe, sei das Unternehmen eine familiäre Gemeinschaft sowohl bei den derzeit sieben Gesellschaftern wie auch bei den Mitarbeitern. Geheimnis des Erfolges sei, „als Familienunternehmen eigenständig zu bleiben und die Bodenhaftung nicht zu verlieren“. Der Welterfolg für die Firma kam mit der Hinwendung zum Kunststoffgeschäft nach dem Krieg.
Kunststoff gilt als Tausendsassa unter den Werkstoffen. Dessen Potenziale seien aber noch gar nicht vollends ausgeschöpft, sagte Festredner Professor Dr. Ing. Christian Hopmann aus Aachen, der zur Zukunft des Kunststoffs sprach. Ein Feld dabei ist auch das Recycling, in dem sich Reifenhäuser etwa mit Maschinen zum Schreddern und Weiterverarbeiten von PET-Flaschen hervortut.
Dass Kunststoff ein toller Stoff ist, das dachten sich auch die Brüder Hans und Fritz Reifenhäuser 1948, als sie in Kunststoff den Stoff der Zukunft sahen und ihren ersten Extruder zu seiner Herstellung bauten. Zuvor hatte Hans nach dem Krieg Mahlwerke gebaut, um aus Trümmerschutt im Recycling neues Baumaterial zu gewinnen. Für die vierte Generation ist übrigens vorgesorgt. Ulrich hat fünf Kinder, Bernd vier, Klaus zwei, Gabi und Irene je eins.