KREIS EUSKIRCHEN – Die Auswahl am Tag des offenen Denkmals war groß: Kreisweit konnten viele historische Stätten beim bundesweiten Aktionstag unter die Lupe genommen werden. Er stand unter dem Motto „Kultur in Bewegung - Reisen, Handel und Verkehr“.
Wer wollte, konnte etwa bis ins Jahr 1350 „reisen“, denn der Großteil der Wasserburg Veynau ist noch immer im ursprünglichen Zustand aus dem 14. Jahrhundert erhalten. Der äußere Mauerkranz, der ursprünglich von Wasser umgeben war, kam etwa hundert Jahre später dazu. Das Hauptgebäude der Burg wurde 1722 nach einem französischen Angriff im jetzigen Barock-Stil neu erbaut.
Doch der Glanz, in dem es jetzt erstrahlt, hat es einer Sanierung aus den 1980er Jahren zu verdanken. „Allein von der Sanierung des Daches könnte man auch ein Einfamilienhaus kaufen“, sagt Kerstin Graap. Die Architektin führte am Tag des offenen Denkmals Besucher durch die Anlage. An der Sanierung des Hauptgebäudes lässt sich auch erahnen, wie wertvoll die Arbeiten sein werden, die zurzeit anstehen: Seit sechs Wochen arbeiten Handwerker an der Stabilisierung der inneren Burgmauern, die noch von Wasser umgeben sind. „Was wir hier machen, ist nichts anderes als Ruinensicherung“, sagt Octavia Zanger vom Amt für Denkmalpflege des Landschaftsverbandes Rheinland. Ein sechsstelliger Betrag ist zur Erneuerung der Burg nötig.
Finanzielle Mittel stellen die Denkmalförderung und der Staat im Rahmen des Konjunkturpakets zur Verfügung. Doch die aktuelle Spendenkampagne unter der Schirmherrschaft von Landrat Günter Rosenke verdeutlicht, dass der Bedarf damit noch längst nicht gedeckt ist. Hans-Joachim Engler, der als Maurer des Baubetriebs Mahlberg mit zwei weiteren Kollegen die Sanierung durchführt, sagt: „Ziel ist es, die gesamte innere Burgmauer zu erneuern. Doch wir können nur solange bauen, wie das Geld reicht.“
Um den Besuchern diese Dringlichkeit zu vergegenwärtigen, hat man sich daher eine symbolische Maßnahme einfallen lassen: Jeder, der am Tag des offenen Denkmals in das Burgtor eintrat, wurde zur Entrichtung eines „Wegzolls“ in Höhe eines Euros angehalten.
Bei allem historischen Flair der mittelalterlichen Burg: Die Lage ist prekär. Denn nicht nur die akut gefährdete Burgmauer muss vor dem Verfall bewahrt werden. Auch das Burgtor sowie die einzelnen, so genannten Wirtschaftsgebäude der Burg sind baulich stark angegriffen. „Es ist ja schon eine Leistung, dass die Mauern überhaupt so lange gehalten haben“, erläutert Zanger, die seit nunmehr 30 Jahren die Entwicklung der Burg Veynau verfolgt. Ein Erdbeben im Jahre 1951 hatte den Verfall weiter verschärft. Darüber, dass die Burg ein beeindruckendes Zeugnis des Mittelalters ist, bestehen wenig Zweifel. Sie wurde von den Jülichern zum Schutz vor Übergriffen des Erzbistums Kölns erbaut.
„Diese Mauern sind Wehrgeschichte zum Anfassen“, sagt Zanger.
1988 verliebte sich der jetzige Eigentümer, Professor Harald Freiherr von Elmendorff, in die Burg und erwarb sie. Seitdem hat er viel Geld in das Bauwerk gesteckt, das seit 2004 einer Werbeagentur als Sitz dient. Sie hat einen Teil der Burg gemietet und zu einem modernen Büro umfunktioniert.
Restauration - das ist auch ein gutes Stichwort für ein anderes, unter Denkmalschutz stehendes Gebäude: Auch der Bad Münstereifeler Bahnhof würde heute nicht mehr stehen, hätte die Stadt ihn 1999 nicht gekauft und umgebaut. Der 1890 im schmucken Schweizer Landhausstil erbaute Bahnhof diente mit seinem Personen- und Güterverkehr als Anschlussstelle für die Eifel. Sogar Kaiser Wilhelm II. ließ sich bei der Eröffnung blicken.
„Ein Bahnhof ist immer der erste Repräsentant einer Stadt“, sagt Alexandra Schröder von der Münstereifeler Stadtverwaltung, die Gästen in zwei Führungen die Historie des Bahnhofs näher brachte - umso ärgerlicher, dass in den 1970er Jahren eher zweckmäßige und hässliche Anbauten entstanden, die nicht zum Gesamteindruck des aus Sandstein und Fachwerk gefertigten Hauptgebäudes passen wollten.
Das ursprüngliche Steinmaterial kam noch aus dem mittlerweile geschlossenen Iversheimer Steinbruch. Immerhin rund 75 000 Fahrkarten wurden im Jahre 1927 in der heutigen Kurstadt gelöst. War erst noch der Vieh- und Holztransport ein wichtiger Bestandteil, so rückte später mit der steigenden Anzahl von Kurgästen der Personenverkehr mehr und mehr in den Mittelpunkt. Der Bahnhof in Bad Münstereifel ist auch ein Zeugnis für die Veränderungen im Bahnverkehr: Wo früher noch ein Rangiergleis, ein „richtiger“ Fahrkartenschalter sowie ein Speisewagen im Zug dazu gehörten, genügt heute ein Ticket-Automat, um die Passagiere der stündlich fahrenden Voreifel-Bahn zu bedienen.
Das Hauptgebäude, in dem inzwischen Büros vermietet sind, lässt sich wirtschaftlich betreiben. Doch Versuche, ein Restaurant oder einen Imbiss im Bahnhof zu etablieren, scheiterten in der Vergangenheit.
Die öffentlichen Toiletten ziehen offenbar Graffiti-Sprayer magisch an. Es wird also auch in den nächsten Jahrzehnten einiger Aufwand zu betreiben sein, um das Münstereifeler Schmuckstück zu erhalten.
