VERNICH. Jahrelang verfiel die alte Burg in Klein-Vernich. Zuletzt krachte ein mächtiger, aber morscher Baum nach einem Sturm in ein Scheunendach der malerischen Anlage. Ein Bild des Jammers war die Burg, als der auf die Inneneinrichtung von international renommierten Luxus-Hotels und Hotelketten spezialisierte Intereal Designer Peter Silling das Gemäuer kaufte und es wieder zu einem ansehnlichen Anwesen verwandelte.
Jetzt will der Mann, der das Petersberg-Hotel einrichtete und aus Schloss Bensberg ein Hotelerlebnis machte, für seine Frau Andrea, eine erfolgreiche Dressurreiterin, auf dem Grundstück zwischen Heimbacher Straße und Burg eine Reithalle nebst kleinem Stall errichten. In einer Bürgerversammlung der CDU-Ortsunion in der Sportlerklause stellte Silling jetzt ein Modell vor und gab detaillierte Auskünfte auf die Fragen der gut 100 interessierten Zuhörer. Das Projekt ist in Klein-Vernich nicht unumstritten und hat in dem Ratsherrn Arnold Müller, der selbst in der Heimbacher Straße wohnt, einen harten Kritiker.
Schließlich muss die Reithalle, will sie ausreichende Trainingsmöglichkeiten für die hochklassigen Dressurpferde von Andrea Silling bieten, mindestens die internationale Turniermaße von 20 mal 60 Metern haben. Vor der Burg würde also ein Gebäude entstehen, das den Blick auf die alte Anlage teilweise verdeckt, so die Kritik aus Klein-Vernich.
Eine Argumentation, der die Befürworter des Projektes allerdings ebenfalls stichhaltige Gründe für ihre Haltung entgegensetzen: So ist die geplante Halle gerade mal 40 Zentimeter höher, als die jetzt bestehende Remise. Und die bislang unbebaute Wiese vor der Burg, die an die Remise grenzt, bliebe unbebaut und den maximal 14 Pferden der Sillings vorbehalten. Ursprünglich sollte an der Heimbacher Straße vor der Burg eine Reihenhausbebauung möglich sein. Der unverbaute Blick zur Burg wäre also auch nicht erhalten geblieben.
Und es gibt weitere Argumente für die Reithalle: Silling versenkt die Halle 1,80 Meter in die Erde, so dass der Dachfirst die Burgkulisse von der höher gelegenen Heimbacher Straße nicht vollständig verdeckt. Die Gefahr, dass aus dem privaten Reitstall einmal ein großer Betrieb werden könnte, soll durch grundbuchliche Festlegungen ebenso verhindert werden, wie die Gefahr, dass im direkten Umfeld der Burg eine Disco oder eine stark frequentierte Reitergastronomie entstehen könnte.
Silling: Wir veranstalten keine Turniere, wir schreiben die Zahl der Pferde fest, es gibt keine verstärkten Fahrzeugbewegungen durch unser privates Reiten im Umfeld der Burg. Man werde auch die traditionellen Umzüge wie die der Schützen und Karnevalisten ermöglichen, die an der Burg bislang vorbeigingen.
In der Versammlung der Ortsunion Vernich stellte Vorsitzender Hans-Josef Thelen überwiegende Zustimmung fest. Auch CDU-Ratsherr Hans-Josef Engels, seine Fraktionskollegen Gerd Josef Brühl und Detlef Seif sowie Fraktionschef Hans-Peter Nußbaum signalisierten, dass sie dem Projekt gewogen seien.
Er wolle, so Silling, rund eine Million Euro investieren. Das sei Geld, das in Betriebe der Region fließen werde. Bislang allerdings habe er schon mehrfach seine Pläne ändern müssen, weil es immer wieder Widerstände von Behörden gegeben habe. Er wolle aber nach wie vor versuchen, das Projekt im Einklang mit allen Beteiligten zu verwirklichen.