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Rettung vor der Obdachlosigkeit

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SIEGBURG. Wer sich auf Wolfgang Overath einlässt, wird schnell für dessen Hilfsfonds vereinnahmt. So erging es auch dem Kölner Textilproduzenten Eckhard Bluhm. Anfangs unterstützte er den Overath-Fonds mit Sachspenden, dann lud ihn der FC-Präsident zur Weihnachtsfeier mit Siegburger Obdachlosen ein. „Das war ein Schock“, gesteht „Eckes“, wie ihn seine Freunde nennen, und fortan zählte er zu den eifrigsten Mitstreitern für den Hilfsfonds des Ex-Fußballweltmeisters, den der katholische Verein für Soziale Dienste (SKM) verwaltet. Bestens verwaltet, wie sich gestern einmal mehr zeigte. Mit Geld aus dem Overath-Fonds, konkret mit Spenden von Eckhard Bluhm, erwarb der SKM ein Mehrfamilienhaus in der Frankfurter Straße, ließ es von Grund auf sanieren, um Menschen das Schicksal der Obdachlosigkeit zu ersparen.

Obschon das Haus seit nunmehr anderthalb Jahren bewohnt ist, fand erst gestern die offizielle Einweihung und Taufe statt. „Eckhard-Bluhm-Haus“, heißt das Domizil nach dem Stifter, der denn auch ganz gerührt war und versprach: „Dieses Haus wird immer in einem Topzustand sein.“ Menschen verschiedener Generationen und Kulturen sind in dem Haus untergekommen. Die allein erziehende Mutter mit vier Kindern, die griechische Familie mit ebenfalls vier Kindern und der Ehemann, der seine schwer kranke Frau liebevoll pflegt: Sie alle, erzählt SKM-Geschäftsführerin Monika Bähr, hätten kurz vor der Räumungsklage gestanden, für alle sei das Haus in der Frankfurter Straße die letzte Rettung vor der Obdachlosigkeit gewesen. Dafür zahlen sie eine geringe Miete, und dort leben sie nun seit anderthalb Jahren zusammen, sind zu einer Wohngemeinschaft zusammen gewachsen. Ob Wasser im Keller oder andere Probleme - sie werden gemeinsam gemeistert. Beliebter Treffpunkt ist der kleine Garten, der rundum geschützt, den Kindern eine Spielwiese bietet, in dem gemeinsam gegrillt und sogar das griechisch-orthodoxe Osterfest gemeinsam gefeiert wird, während sich die Mütter gegenseitig bei der Kinderbetreuung helfen. Ein Deutschkurs habe sich, so Monika Bähr, dank des täglichen Kontakts für die griechische Familie erübrigt, und auch die kranke Ehefrau finde, wenn sie allzu sehr bedrückt sei, Abwechslung bei den Familien mit Kindern.

Die lässt der SKM nicht allein. Direkt nebenan ist das Büro der beiden Sozialarbeiterinnen Regina Wollschläger und Heike Seidel, an die sich die Bewohner des Eckhard-Bluhm-Hauses mit ihren finanziellen, erzieherischen oder persönlichen Problemen wenden können.

„Eine großartige Sache“, lobte denn auch Bürgermeister Franz Huhn die Arbeit des SKM und vor allem das Engagement von Eckhard Bluhm: „Sie bringen ein Stück Lebensqualität in unsere Stadt für Menschen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen“. Eckhard Bluhm lasse, so SKM-Vorsitzender Clemens Bruch in seiner Laudatio, die Ausrede „Das geht nicht“ nie und für niemanden gelten. Und dem Kölner geht es um mehr, als „mal eben 5000 Euro zu spenden“, wie er der Rundschau sagte. So hat er erst kürzlich auf Empfehlung des SKM einem ehemaligen Drogenabhängigen einen Job in seinem Unternehmen gegeben, und „der funktioniert fantastisch“, sieht sich Bluhm einmal mehr bestätigt. Dass er auch in Zukunft auf seinen Freund setzen kann, hofft indes Wolfgang Overath. Denn zu tun gibt es mehr als genug. „Wir könnten noch mehr Wohnungen brauchen“, verwies Monika Bähr auf die rund 60 Obdachlosen, die in Unterkünften des SKM betreut werden. „Und immer mehr Menschen verarmen“, stellte auch Bürgermeister Huhn fest.