Natürlich weiß jeder, was ein Rheinländer ist. Oder nicht? Dass die Definition alles andere als einfach ist, legt der Historiker Dr. Willi Arnolds in seinem historischen Streifzug unter dem Titel Die Geschichte des Rheinlands ausführlich dar. Kulturell, politisch und wirtschaftlich ist das Rheinland nur schwer exakt zu fassen, schreibt er. Doch könne man feststellen, dass die Geschichte des Rheinlandes mit seiner Metropole Köln und dem Oberzentrum Trier grundsätzlich anders verlaufen sei als die des mitteleuropäischen Deutschlands.
Anders etwa als Westfalen sei das Rheinland von den Niederlanden, Belgien, Frankreich und Südeuropa beeinflusst. Die rheinische Kultur beruht auf der Antike und dem Christentum, schreibt Arnolds. 1700 Jahre Christentum hätten dieses Land stärker verchristlicht als andere deutsche Landschaften. Hier habe sich eine Gemeinschaft von Christentum und Liberalismus entwickelt, die es in Deutschland lange Zeit nicht gab, schreibt Arnolds.
Das Rheinland habe nie den Gegensatz zwischen Stadt und Land gekannt. Die Rheinländer hätten starkes Selbstbewusstsein entwickelt, Offenheit und europäisches Bewusstsein. Die rheinischen Städte boten Freiheiten, die über die persönliche Rechtsfähigkeit weit hinausgingen. Ob den in Köln ganz besonderen Rechtsstand der Frauen, die Wahlergebnisse in der Weimarer Republik, die Bonn-Berlin-Abstimmung - überall findet der Autor markante Unterschiede zwischen Rheinland und dem Rest der Republik. Artikel 29 des Grundgesetzes, beschließt Arnolds augenzwinkernd sein Buch, eröffne den Rheinländern sogar das Recht auf Wiedervereinigung, das Recht auf ihren eigenen Staat. . . (vol)
Willi Arnolds: Die Geschichte des Rheinlands - ein historischer Streifzug, 142 Seiten Grenz-Echo Verlag, Eupen, 14,95 Euro