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Romantik wie bei Heidi auf der Ziegenalm

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HÜRTH. Sie macht den Käse und verkauft die Waren. Er melkt die Ziegen, bestellt die Felder für ihr Futter. „Und zwischendurch bin ich Bauarbeiter“, lacht der Herr des noch jungen Geißenhofs.

Im letzten Jahr hat sich das junge Ehepaar Daniel und Sandra Tiefenbach mit einer Ziegenfarm auf dem Weiler Berrenrath selbstständig gemacht. Der Aufbau der Hofanlage ist schon weit gediehen, der Betrieb läuft.

Für Besucher bietet sich bereits in diesem Frühling ein Bild purer Romantik. Das Fenster im Esszimmer des Wohnhauses gibt den Blick frei auf die Weide. Der Anblick wirkt wie ein gerahmtes Bild, in dem aber Bewegung ist. Ab und zu tönt sogar ein helles „Mäh“ herüber. Denn draußen tummelt sich eine Herde weißer Sahneziegen, dazwischen langhaarige hellbraune Toggenburger. Der Bock ist an dem typischen Ziegenbart, dem grünen Halsband und seiner Größe leicht von den Muttertieren zu unterscheiden.

Streichelzoo am Hofeingang in Planung

Zutraulich sind sie alle, auch zu Fremden, obwohl die Tiefenbachs Besuchern verständlicherweise ungern allzu große Nähe zu ihren Tieren gewähren. „Ziegen sind empfindliche Tiere, auch wenn die meisten meinen, sie wären sehr robust“, erklärt Daniel Tiefenbach. Um dem Bedürfnis von Kunden ihres Hofladens nach Kontakt mit den kuscheligen Tieren entgegen zu kommen, wollen die Tiefenbachs bald einen Streichelzoo einrichten.

Ziel des Familienbetriebs ist es, die Tiere auf natürliche Weise gesund und leistungsfähig zu halten. „Die Tiere sind dankbar für Auslauf“, weiß Sandra Tiefenbach, die von der ertragreicheren Stallhaltung ebenso wenig hält wie ihr Mann. „Für das Wohlbefinden der Tiere verzichte ich lieber auf einen halben Liter Milch am Tag“, ergänzt er. Einen Kletterbaum haben sie sogar auf die Weide gestellt, auf dem die wendigen Ziegen gerne herumkraxeln. Neben Schweizer Sahneziegen und Toggenburgern halten die Tiefenbachs noch weiße deutsche Edelziegen und Thüringer Waldziegen.

Der 27-jährige Landwirt wuchs in Frechen-Königsdorf mit der Landwirtschaft seines Großvaters auf. Seine 30-jährige Ehefrau stammt aus Berrenrath und ist gelernte Bürokauffrau. Solche Fachkenntnisse kommen ihr in einer Zeit sehr zugute, in der Landwirte von der Bewirtschaftung ihrer Höfe bis zur Vermarktung ihrer Erzeugnisse alles in Eigenleistung erbringen müssen.

Für den Sommer hat sich im Hause Tiefenbach auch zweibeiniger Nachwuchs angekündigt. Außer dass die Eltern des Ehepaares helfen, wo und wann immer eine unterstützende Hand gebraucht wird, zählt eine weitere unersetzliche Mitarbeiterin zum Geißenhof. Das ist Border Collie Cleo, eine einjährige Hütehündin, die mit Dienstbeflissenheit ihre Aufgaben meistert. „Ein bis zwei Stunden Arbeitszeit am Tag erspart sie mir“, erzählt Tiefenbach.

Strenge Hygieneregeln

für die Käserei

Die Ziegen folgen ihm zwar meistens brav in den Melkstand, aber es kommt doch vor, dass die eine oder andere die sprichwörtliche Zickigkeit an den Tag legt. Da ist dann Cleos Talent gefragt, den meckernden Haufen in Schach zu halten. Bei Menschen ist der Vierbeiner dagegen anschmiegsam, will am liebsten mit ihnen Ball spielen.

Das auf den ersten Blick romantische Bauernhofleben ist das Ergebnis harter Aufbauarbeit. In zahlreichen Lehrgängen haben die jungen Hofbesitzer die nötigen Fachkenntnisse erworben, um den Betrieb erfolgreich zu führen. Es gibt Regeln, die streng eingehalten werden müssen: Die Käserei zum Beispiel darf aus hygienischen Gründen niemand außer Sandra Tiefenbach betreten. Einblicke gibt es nur durch ein Fenster. Ebenso abgeschottet bleibt der Lämmerstall.

Zu den arbeitsreichsten Monaten auf dem Geißenhof gehören Dezember und Januar. Denn das ist die Zeit, wenn die Muttertiere „ablammen“, wie das Gebären von kleinen Geißlein in der Fachsprache heißt. Fünf Monate dauert die Tragezeit bei Ziegen, fast alle Muttertiere bringen Zwillinge zur Welt. Die Tiefenbachs machten sich in der Ablammzeit die moderne Technik zunutze. Um jederzeit abrufbereit zu sein, installierten sie eine Kamera im Stall, die rund um die Uhr Bilder ins Haus sendete.

Mit Rücksicht auf die Gesundheit der Muttertiere lassen die Tiefenbachs die Böcke erst an die Ziege, wenn die etwa ein Jahr alt ist, und mehr als einmal im Jahr ohnehin nicht. Trächtige Tiere stehen außerdem etwa zweieinhalb Monate vor dem Ablammen trocken, das heißt sie werden nicht mehr gemolken. Die Tiefenbachs sind überzeugt, dass ihre Art des Umgangs mit den Tieren in die Qualität ihrer Erzeugnisse einfließt.

Geißenhof-Produkte

auf Wochenmärkten

Der Geißenhof ist an drei Tagen in der Woche mit Verkaufsständen auf Märkten vertreten: mittwochs in der Fußgängerzone und samstags auf dem Balthasar-Neumann-Platz in Brühl sowie freitags auf dem Rathausplatz in Frechen. Käse, Milch und Wurst gibt es am Stand, Fleisch wegen der Frische auf Bestellung unter Ruf (0 22 33) 37 52 10, Fax 20 77 57, E-Mail: info-geissenhof@t-online.de.

Geöffnet ist der Hofladen mittwochs von 9 bis 14 Uhr, freitags von 9 bis 14 Uhr und von 15 bis 18 Uhr sowie samstags von 9 bis 14 Uhr, auch Ostersamstag.

www.geissenhof.de