KÖLN – Es ist die juristische Aufarbeitung eines schrecklichen Verbrechens: Im Dezember 2011 wurde eine 31 Jahre alte Frau im Agnesviertel von einem Nachbarn (87) erschossen. Der Schütze hatte sich offenbar über den Lärm in der Wohnung aufgeregt.
Nun beginnt der Prozess vor dem Landgericht. Am kommenden Mittwoch muss sich der Angeklagte wegen Mordes vor Gericht verantworten.Das Drama geschah am Abend des 2. Dezember auf der Weißenburgstraße. Die 31-Jährige war mit ihrem Ehemann gerade aus Brüssel zurückgekommen, wo der Mann in einer international tätigen Kanzlei arbeitet. Das Paar war noch nicht lange wieder in der Wohnung, packte Koffer aus, als plötzlich der Nachbar bewaffnet vor der Tür stand. Sekunden später schoss der mutmaßliche Täter mit einer Pistole zweimal auf die Frau. Ein Projektil traf die Nachbarin in der Brust, ein weiterer Schuss verfehlte die 31-Jährige. Bei dem heftigen Wortwechsel soll es an der Wohnungstür „sprachliche Probleme“ gegeben haben, wie es vom Gericht hieß.
Der italienische Angeklagte Domenico A. lebt zwar schon seit vielen Jahren in Köln, kann aber dennoch nur schlecht Deutsch sprechen. Möglicherweise verstand das spätere Opfer in diesem Moment auch nicht sofort, was der bewaffnete Nachbar eigentlich wollte. Bei dem brutalen Angriff wurde die 31-Jährige lebensgefährlich verletzt, sie starb drei Wochen später an ihren gravierenden Verletzungen.In dem Mord-Prozess werden die Eltern des Opfers, die Geschwister und der Ehemann als Nebenkläger auftreten.
„Wir werden die Interessen der Angehörigen in ruhiger und sachlicher Form wahrnehmen“, sagte Rechtsanwalt Björn Gercke, der mit seinem Kollegen den Prozess begleitet. Es gehe um Schadensersatz und auch um Schmerzensgeld, ergänzte der Anwalt gegenüber der Kölnischen Rundschau.Die Familie der 31-Jährigen wird nach bisheriger Planung nicht persönlich an dem Prozess teilnehmen. Der Ehemann wird vermutlich am 3. Verhandlungstag als Zeuge aussagen. Rund 20 Zeugen sind für den Prozess mit seinen fünf Verhandlungstagen geladen.
Die Attacke auf die Nachbarin löste damals einen Großeinsatz der Polizei aus. Nach den Schüssen verschanzte sich der Mann in seiner Wohnung. Wegen seiner Gefährlichkeit und weil unklar war, ob der Schütze noch weitere Waffen in der Wohnung hatten, wurde ein Spezialeinsatzkommando alarmiert. Drei Stunden nach der Tat hieß es „Zugriff“. Der 87-Jährige kam U-Haft.