Hürth – Die Mitarbeiter der Rußfabrik in Kalscheuren müssen sich schon wieder an einen neuen Namen gewöhnen. Erst seit vier Jahren firmiert das ehemalige Degussa-Werk als Tochter der Evonik Industries. Nun hat der Mutterkonzern seine Ruß-Sparte („Carbon Black“) - und damit auch die Hürther „Schwätz“ - an den Finanzinvestor Rhône Capital verkauft. Standortleiter Dr. Udo Wieschnowsky geht aber davon aus, dass sich für die 450 Beschäftigten außer dem Namen ihres Arbeitgebers nicht viel verändern wird.
Bereits am Wochenende wurde der Vertrag über den Verkauf des Carbon-Black-Geschäfts besiegelt. Der Finanzinvestor übernimmt für 900 Millionen Euro die 16 Produktionsstandorte in elf Ländern mit insgesamt 1650 Mitarbeitern, davon etwa 500 in Deutschland. Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte die Rußsparte nach Angaben des Unternehmens einen Umsatz von 1,2 Milliarden Euro, auf dem Weltmarkt ist Evonik Carbon Black damit die Nummer drei. Die Kartellbehörden müssen der Übernahme noch zustimmen, die Entscheidung soll im Sommer fallen.
„Für unsere Carbon-Black-Aktivitäten sehen wir mit dem Verkauf an Rhône Capital vielversprechende Weiterentwicklungsmöglichkeiten“, kommentiert Klaus Engel, Vorstandsvorsitzender der Evonik Industries AG, den Verkauf. „Die Transaktion ist gut für Evonik, die Zukunft des Carbon-Black-Geschäfts und seiner Mitarbeiter.“ Hintergrund des Verkaufs sei, dass Evonik sich angesichts des bevorstehenden Börsengangs weiter auf das Kerngeschäft Spezialchemie konzentrieren wolle.
Die Mitarbeiter der Rußfabrik in Kalscheuren sollen am heutigen Mittwoch bei einer Belegschaftsversammlung über Einzelheiten der Übernahme informiert werden. Für Unruhe sorge der Verkauf im Werk nicht, sagt Standortleiter Wieschnowsky. „Wir wissen seit Herbst, dass Evonik seine Carbon-Black-Aktivitäten verkaufen will.“ Bereits im Juli 2010 sei die Sparte in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert worden. Mehrfach hätten potenzielle Käufer die Fabrik besucht. „Die Belegschaft war über jeden Schritt informiert“, betont Wieschnowsky. „Die Nennung des Käufers war nur noch der Schlussstrich.“
Für die „Schwätz“ sieht der Standortleiter gute Perspektiven. Das Werk auf der Stadtgrenze zwischen Köln und Hürth sei das größte und das vielseitigste der Evonik-Rußsparte. Wieschnowsky: „Wir sind gut aufgestellt.“
Bereits seit 1895 wird in Kalscheuren industriell Ruß aus Schweröl produziert. Aktuell hat das Evonik-Werk eine Jahreskapazität von 160 000 Tonnen. 80 Sorten Ruß werden dort hergestellt. Eingesetzt wird der Stoff vor allem bei der Reifenherstellung. Als Pigmentruß finden die Erzeugnisse Verwendung in Autolacken, Farben, Kunststoffen und Drucker-Tonern.
Eine Frage ist aktuell noch ungeklärt - nämlich die nach dem neuen Namen. Doch das ist zweitrangig, meint Standortleiter Wieschnowsky: „Werksintern sprechen wir, wie der Volksmund auch, sowieso nur von der ,Schwätz .“
