BERGISCH GLADBACH – „Ich habe einen heftigen Arbeitstag, aber wenn ich abends die Gitarre in die Hand nehme, dann bin ich erstmal ganz weit weg vom Büro.“Paul Assies ist 49, lebt in Bergisch Gladbach und arbeitet in einer renommierten Kölner Anwaltskanzlei als Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht. Er ist aber auch Gitarrist aus Leidenschaft. Und seine Band „Kojak Connection“ startet im Moment richtig durch.
Vor vier Jahren fragte ihn eine gute Freundin, ob er nicht mit ein paar Leuten auf ihrer Hochzeit spielen wolle. „Ich habe ein paar Freunde zusammengetrommelt und los ging’s“, erinnert er sich. Ganze drei Mal probten die Musiker zusammen.In einer idyllischen Klosterruine bei Altenahr war es dann soweit. „One“ von U2 spielten sie vor den 100 Hochzeitsgästen und Bob Dylans „All along the watchtower“. Eine laue Sommernacht war es und der Funke sprang über aufs Publikum.
„Dann haben wir fünf uns gesagt, wir bleiben dabei.“ Die drei Anwälte und zwei Musiklehrer gründeten „Kojak Connection“. Noch zwei Mal spielten sie 2009 und 2010 in der Klosterruine. Ohne Hochzeit, aber mit stetig wachsendem Repertoire und einer immer größeren Fangemeinde. „Der Ort dort ist einfach sensationell, wir hatten immer sternenklare Nächte und auch der dortige Gastronom hat immer mehr Spaß an uns gefunden“, schwärmt Assies.
Mit sieben Jahren begann er mit Gitarrespielen, doch nach der Schulzeit war Schluss. Dann brachte Eric Clapton 1992 sein legendäres „Unplugged“-Album heraus, Assies packte der Ehrgeiz: „Ich wollte alle Songs so spielen wie er.“ Von da an spielte er regelmäßig, mit 45 verwirklichte er sich einen Traum: die erste E-Gitarre. Mittlerweile hat er zehn davon, darunter ein Liebhaberstück wie die halbakustische Fender Coronado, Baujahr 1967.Nach den Open Air-Konzerten in Altenahr fühlte sich die Band Ende 2010 zusammengewachsen. Neben Coversongs hatte Assies jetzt auch eigene Stücke für die Band geschrieben. Gitarrenlastiger Rock ohne viel Schnick-Schnack, mit dezenter Keyboard-Begleitung, einem äußerst dynamischen Gesang von Volker Lang, teilweise ergänzt durch eine Backgroundsängerin.
„Dann kam die Idee, eine Location in Gladbach zu suchen. Denn wir wollten mehr als einmal im Jahr an der Ahr spielen“, führt Assies die Bandgeschichte fort.Also organisierte die Band das erste Open Air-Festival „Strunde Rock“. Das Konzert im Alten Freibad im Frühjahr 2011 war ein Erfolg. Bis die Polizei das Festival auf dem Höhepunkt stoppte. Ruhestörung – die Anlieger hatten die Ordnungshüter alarmiert.Die Besucher konnten sich aber trösten. Mit der druckfrischen CD „Hunter & Prey“, die die Band im Alten Freibad präsentierte und zum Verkauf anbot.
Mit der professionell produzierten und aufgenommenen CD im Rücken entwickelte sich die Bandgeschichte rasant. „Wie in einem Fim“, beschreibt Assies das, was seit Frühjahr 2011 passierte: Ein Konzert in der Harmonie Bonn vor 400 Besuchern, Vorstellung der Band bei WDR 2 und ein Live-Auftritt beim Bielefelder Lokal-TV-Sender Kanal 21.Dazu charterte die Band gar einen Fanbus, der das Studio in Westfalen mit der Gladbacher Fangemeinde füllte. Und am 14. März haben sie einen Auftritt im Kölner Hard Rock Cafe. Dabei treten sie gegen andere Nachwuchsbands an und hoffen, das Finale am 20. März zu erreichen.
Nachwuchsbands? Assies, der 49-Jährige, muss da doch ein wenig schmunzeln.
