Köln - In über vier Jahrzehnten hat Reiner Speck eine international renommierte Sammlung von Gegenwartskunst zusammengetragen. Diese Kollektion hat der Kölner Urologe (66) nun verkauft, wie gestern die Süddeutsche Zeitung berichtete. Neue Besitzer sind die vier Brüder Bernd, Eugen jr., Klaus und Michael Viehof aus Mönchengladbach. Die ehemaligen Eigner der „Allkauf“-Kette gehören zu den Gesellschaftern des „Rheingold“-Konsortiums, das Werkgruppen zeitgenössischer Künstler erwirbt. Die Sammlung Speck soll verschiedenen Museen in NRW als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt werden.
Gute Chancen, „bestimmte Werke bevorzugt zu zeigen“, so Kasper König, hat das Museum Ludwig, für das sich grundsätzlich nichts ändere. Das Haus beherbergt zwar aktuell nur vier Werke aus der Kollektion Speck, davon zwei (Kippenberger und Merz) als Geschenk des Sammlers. Allerdings pflegt man einen guten Kontakt zu Speck, der nun offensichtlich sein Haus bestellen will. 1996 präsentierte das Museum einen Großteil seines Kunstbesitzes. Seit einigen Jahren gibt es außerdem auch die gemeinsame Edition „Bewegte Bilder“ mit der „Rheingold“-Gruppe, die dem Institut ein Immendorff-Bild schenkte.
Vor einigen Jahren hatten das Museum Ludwig, die Kunstsammlung NRW und das Westfälische Landesmuseum Münster gemeinsam den Erwerb der Sammlung geplant, die man aufteilen und zirkulieren lassen wollte. „Das wäre ein extrem guter Schachzug gewesen“, so Kasper König, „weil die Sammlung eng mit dem Rheinland verbunden ist“ - auch durch Künstler wie Beuys, Dahn, Kippenberger, Oehlen, Trockel oder Polke. Der Coup scheiterte auch am Preis, der 25 Millionen Euro betragen haben soll.
Vor zwei Jahren verhandelten König und Kölns Kulturdezernent Georg Quander noch einmal mit Speck, der „sich durchaus vorstellen konnte, seine Sammlung ganz in Köln zu lassen“, so Quander. „Aber die Summe war von uns nicht zu stemmen.“
Dass Speck, der außerdem eine Bibliothek mit 22 000 Bänden zu Kunst, Literatur und Medizin besitzt, mit dem Verkaufserlös ein Marcel-Proust-Haus in Köln plant, konnte Quander nicht bestätigen. „Davon ist mir im Moment nichts bekannt.“ (AS / Wi.)