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Sarg nach eigenen Ideen bemalen

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MÜLHEIM-WICHTERICH. „Eigentlich bin ich ein ganz normaler Bestatter“, lächelt Ulrich Heymann zurückhaltend. Doch „ganz normal“ sind die Ideen nicht, die der 35-jährige gelernte Schreiner rund um die Themenkreise Sterben, Trauern, Beerdigen entwickelt hat. Bei Ulrich Heymann können Angehörige für ihre Verstorbenen den Sarg oder die Urne selbst gestalten. So sollen die Menschen ihre Beziehung zu dem Entschlafenen ausdrücken können und ihre Trauer bewältigen.

„Natürlich biete ich als Bestattungsunternehmer auch konventionelle Särge an, ganz gleich, ob in Eiche oder Buche, mit goldfarbenen oder anderen Beschlägen“, sagt der Oberwichtericher, der im Gelände der ehemaligen Raiffeisen-Warenzentrale, das sein Bruder erworben hat, seinen Betrieb eingerichtet hat. Die Palette sei groß, er arbeite mit zwei Unternehmen in Düren und Köln zusammen und könne innerhalb von wenigen Stunden fast jedes gewünschte Sargmodell am Ort haben. Doch das entspreche nicht immer dem Wunsch der Hinterbliebenen.

Bei Heymann selbst wurde vor gut sieben Jahren eine Krebserkrankung festgestellt, eine Diagnose, die das Leben des Handwerkers grundlegend veränderte. „Ich hatte in einem Euskirchener und einem Heimerzheimer Bestattungsunternehmen gearbeitet, war schon im Möbelbau und im Messebau tätig gewesen. Nach der Diagnose aber kreisten meine Gedanken selbstverständlich um Leben und Tod und um das würdige Sterben. Und natürlich auch um neue Wege der Trauerarbeit.“

Heymann richtete in seinem Betrieb in Mülheim-Wichterich neben einem Trauerraum, der knapp zwei Dutzend Menschen fasst, auch eine Trauerwerkstatt ein. „Immer wieder hörte ich den Wunsch Lebender, ihren letzten Weg selbst sehr persönlich zu gestalten. Und sehr oft wird auch der Wunsch geäußert, mit einer ganz individuellen Gestaltung die liebevolle Beziehung zu dem Verstorbenen fortzuführen. Deshalb will ich in dieser Trauerwerkstatt die Möglichkeit anbieten, Särge oder Urnen selbst zu bemalen oder Verzierungen anzubringen“, sagt Heymann.

Kooperation mit

Künstlerinnen

Er habe damals, als er von seiner Krebserkrankung erfuhr, darüber nachgedacht, seinen eigenen Sarg selbst zu gestalten, „falls die Ärzte mir gesagt hätten, ich hätte nur noch wenige Wochen zu leben.“ Jetzt bietet er diese Möglichkeit den Angehörigen Verstorbener an. Farben und Pinsel stellt der Bestatter zur Verfügung, für Raum und Material wird eine Mietgebühr fällig, die sich nach der Dauer der Aktivitäten richtet. Der Bestatter stellt sich auch eine Kooperation mit zwei Künstlerinnen vor, die in dem weitläufigen Gebäudekomplex zwei Ateliers eingerichtet haben. „Von diesen könnten Angehörige Verstorbener künstlerischen Rat bekommen oder sogar nach eigenen Vorstellungen von ihnen Särge oder Urnen bemalen lassen.“

Am Sonntag, 17. August, will Ulrich Heymann zu einem Tag der offenen Tür in sein Bestattungsinstitut einladen. Die Bonner Künstlerin Barbara Müller zeigt, wie Totenmasken angefertigt werden können, ein Euskirchener Florist wird seine Trauergestecke ausstellen.