BORNHEIM / SWISTTAL – Eigentlich müsste es Dr. Reinhold Lunow als Internist ja wissen: Schwarz-gelbe Herzen gibt es nicht. „Doch“, sagt der Mediziner, „meines zum Beispiel“. Und auch seine Seele sei längst schwarz-gelb gefärbt. Denn seit seinem sechsten Lebensjahr, seit er an der Hand seines Vaters zum ersten Mal die Atmosphäre im Stadion „Rote Erde" in Dortmund erlebt hat, schlägt sein Herz für den schwarz-gelben BVB, die Borussia aus Dortmund.
Doch der Facharzt aus Bornheim, der in Swisttal-Heimerzheim wohnt, ist längst mehr als ein Fan: Seit 2005 ist Reinhold Lunow im Vorstand seines Vereins. Auch wenn er als Schatzmeister keinen Einfluss auf den An- und Verkauf der Spieler hat, so könne er als Mitglied im Kontrollgremium doch sehr wohl ein Wörtchen mitsprechen. Als Verdienst heftet er sich auf jeden Fall an, ganz entscheidend an der Werbung neuer Mitglieder mitgewirkt zu haben. Von knapp 20 000 Mitgliedern stieg die Zahl der bekennenden und zahlenden BVB-Mitglieder seit 2007 auf aktuell 50 000.
Der Swisttaler war es auch, der federführend das BVB-Museum im Dortmunder Stadion auf den Weg gebracht hat. Bis spät in die Nächte hinein hat er im zweiten Halbjahr 2008 an dem Konzept gearbeitet, das auf 900 Quadratmetern die gesamte Geschichte des Vereins darstellt. „Die Initiative dafür kam aber aus der Fan-Abteilung", stellt Lunow klar. Jedes Spiel seiner Elf hat er in dieser Saison live gesehen. Er war dabei, als am 30. April feststand, dass dem BVB der siebte Meistertitel nicht mehr genommen werden könnte. Entscheidend für den vorzeitigen Titelgewinn war kurz vor Ende einer souveränen Saison nicht nur der Sieg über Nürnberg, sondern auch, dass der 1. FC Köln gegen Verfolger Leverkusen gewann.
Seither hören seine Patienten in der Telefon-Warteschleife öfter mal das BVB-Fan-Lied. Und am 2. Mai hat ihn sein Team des Bornheimer Gesundheitszentrums mit Applaus, „La Ola“ und BVB-Fahnen begrüßt. Nicht nur sein Team, sondern auch viele kleine und große Patienten sind inzwischen dank seiner Werbung zu BVB-Fans geworden.
Jetzt würde der Mediziner am liebsten die Zeit anhalten: „Man denkt an all die Höhen und Tiefen, die man mit dem Verein erlebt hat". Es sei ein unbeschreibliches schönes Gefühl, mit einem Mal für all die Arbeit belohnt zu werden. „Da ist man gerührt bis tief ins Herz", so Lunow.
Riesig freut er sich auf heute Nachmittag. Im Stadion wird er sich die Begegnung gegen Frankfurt ansehen und trotz der schon entschiedenen Meisterschaft die Daumen fest drücken, dass sein BVB auch im letzten Saisonspiel punkten kann. Lunow hat einen festen Platz auf der Westtribüne mit Blick nach rechts auf die „Gelbe Wand“, jene Fantribüne, die mit 25 000 Stehplätzen immer ausverkauft ist. „So etwas gibt es europaweit kein zweites Mal", schwärmt er.
Am Sonntag darf der Mann aus Swisttal dann beim Triumphzug durch Dortmund zusammen mit den BVB-Spielern im Korso den Menschenmengen zujubeln. „Mehr als 150 000 Fans werden erwartet", freut sich Lunow. Und natürlich darf er dann auch einmal die Meisterschale hoch in den Himmel halten.