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Schinkenkessel auf neuem Rheinboulevard

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Nach fast 130 Jahren kam jetzt der mächtige „Schinkenkessel“ am Deutzer Rheinufer wieder ans Tageslicht: Bei Vorarbeiten zum Bau der Regionale-Projekts Rheinboulevard haben Archäologen in Höhe von St. Heribert am Ufer die spätrömischen Fundamente aus Tuffstein entdeckt. Sie gehörten zum nordwestlichen Eckturm des späteren Brückenkopfs „Divitia“ (Deutz). Bevor der Damm vor St. Heribert für die Anlage der großen Freitreppe abgetragen wird, hatten die Experten mehrere Suchgrabungen durchgeführt - und stießen auf das fundamentale Zeugnis anno 310, als Kaiser Constantin mit der ersten festen Brücke „Colonia“ mit dem Kastell verband.

„Wir waren schon überrascht, wie nah es unter der Oberfläche liegt“, sagte gestern Dr. Marcus Trier, stellvertretender Direktor des Römisch-Germanischen Museums, bei der Vorstellung des wiederentdeckten halbtonnenförmigen Bauteils. Er erläuterte mit Dr. Joachim Bauer vom Amt für Landschaftspflege die Bedeutung und künftige Präsentation des archäologischen Schatzes.

Die preußischen Ingenieure ummantelten und schützten später den römischen „Beton“ mit Basaltschalen und integrierten ihn 1818 als Teil der preußischen Festung Deutz - „aus ökonomischen Gründen und aufgrund ihrer humanistischen Bildung gewissermaßen als erste Denkmalpfleger“. Der auf dem Fundament gebaute Halbturm trug im Volksmund den Namen „Schinkenkessel“, so Trier, weil seine Form Kochgefäßen ähnelte. 1909 wurde der Turm bis aufs Fundament abgerissen. Der Uferrand der Kastells ist aufgrund von Kaimauer-Bauten nicht mehr vorhanden. Das Halbrund soll in die Freitreppe integriert werden. „Wir führen gerade Gespräche über die mögliche Gestaltung“, sagte Bauer. Baubeginn für den Boulevard ist voraussichtlich Ende 2009.