Aber nicht überall sind die Sorgenfalten so tief. Es wird in Hessen immer schwerer, jungen Menschen den Beruf des Busfahrers schmackhaft zu machen. Wer einen Bus oder eine Straßenbahn fährt, der muss in Schichten und auch an Wochenenden arbeiten. Er übernimmt zudem bei vergleichsweise geringem Lohn eine hohe Verantwortung für seine Passagiere. Eine Besserung ist nicht in Sicht: „Die Unternehmen versuchen, aus den Tarifen des öffentlichen Dienstes zu flüchten“, sagt Gerold Schaub, der bei der Gewerkschaft Verdi für den Fachbereich Straßenpersonenverkehr zuständig ist und für rund 5000 Fahrer die Tarifverhandlungen führt. Die Folge: Den Unternehmen gehen die Fahrer aus, viele müssen mit ungewöhnlichen Maßnahmen die Werbetrommel rühren.
Denn nicht wenige Fahrer klagen, dass sie sogar bei den Sozialbehörden vorstellig werden müssen, um über die Runden zu kommen. „Ich musste zum Beispiel Wohngeld beantragen“, sagt ein Busfahrer, der nicht genannt werden will.
Die Wiesbadener Verkehrsgesellschaft Eswe zahlt den Fahrern ihres Tochterunternehmens WiBus 11,50 Euro die Stunde, die Kollegen von Eswe-Verkehr kommen dagegen auf 14,00 Euro, wie Eswe-Sprecher Holger Elze sagt. Beim Gießener Verkehrsträger Mit.Bus sind es gar nur 10,88 Euro.
Deshalb herrscht bei vielen Unternehmen ein stetes Kommen und Gehen beim Personal. Mit.Bus-Geschäftsführer Mathias Carl berichtet von vielen Wechseln im vergangenen Jahr. Derzeit habe er allerdings in Gießen „kontinuierlich Bewerbungen vorliegen“. Und: „Es gibt immer welche, die sagen, sie verdienen in anderen Branchen mehr. Aber es kommen auch welche zurück.“
Sorgenlos ist in diesem Punkt auch die Fuldaer Busgesellschaft Üwag: Das Unternehmen, das fast 290 Fahrer beschäftigt, hat nach Angaben von Sprecherin Anne Haverkamp keine Probleme, offene Stellen wieder zu besetzen. „Wir schreiben diesen Umstand dem guten Image zu, das die Üwag in der Region hat“, sagt sie.
Volker Tuchan vom Omnibusverband Hessen, der die privaten Unternehmen vertritt, bei denen in Hessen knapp 3000 Fahrer arbeiten, spricht von einer unterschiedlichen Wechselneigung. „Das kann vom Arbeitgeber abhängen. Bei kleineren Unternehmen gibt es oft eine stärkere Bindung.“ Eswe-Sprecher Elze sagt, früher hätten die Fahrer die Tätigkeit über Jahre und Jahrzehnte hinweg ausgeübt. Aber: „Die Arbeitszeit mit dem Schichtdienst hat Nachteile.“ Mittlerweile guckten sich angesichts des sich belebenden Arbeitsmarkts viele in anderen Branchen um.
Die Wiesbadener Eswe und ihre Tochter WiBus versuchen mittlerweile mit einer auffallenden Werbekampagne Aufmerksamkeit für die Branche zu wecken: „Bus sucht Fahrer“ steht auf den Fahrzeugen. Vor einiger Zeit warben die Wiesbadener auch mit Sprüchen wie „18 Meter, 28 Tonnen, 350 PS: Adrenalin pur“. Schließlich müssen sich die Wiesbadener regelmäßig Fahrer von der anderen Rheinseite ausleihen: Zehn Kollegen von City Bus Mainz arbeiten seit einem Jahr für die Wiesbadener, sagt Eswe-Sprecher Elze. Auch die Darmstädter Heagmobilo verweist darauf, dass es im Rhein-Main-Gebiet generell schwierig sei, Personal zu finden.
Kassel hat da ganz andere Sorgen: Zwar gebe es bei den Busfahrern keinen Nachwuchsmangel, sagt Heidi Hamdad von der Kasseler Verkehrsgesellschaft KVG. Schwieriger sei es dagegen bei den Straßenbahnfahrern. „Da gibt es bei der Ausbildung eine hohe Abbrecherquote.“ Im September habe die KVG zehn Menschen für eine Ausbildung eingestellt, einer sei gar nicht erst erschienen und jetzt seien es nur noch sechs.
Auf der Suche nach Menschen, die sich den ganzen Tag lang hinter das Lenkrad klemmen wollen, ist auch der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen (bdo): Im Internet wirbt er mit dem Slogan „Busfahrer braucht das Land - Ausbildung mit Zukunft“. Eine Ausbildung allerdings, die mit 8000 bis 10 000 Euro zu Buche schlagen kann. „Das ist eine ziemliche Hürde für jemanden, der in den Beruf einsteigt“, sagt Tuchan vom Omnibusverband Hessen.
Der Markt ist gespalten: Einige kommunale Nahverkehrsunternehmen nehmen nur Fahrer, die sich bereits mit Führerschein und Weiterbildung bewerben. Andere dagegen haben eigene Fahrschulen und stellen die künftigen Fahrer dafür frei. Das ist der angenehmere Weg für den Start in ein nicht ganz einfaches Berufsleben.
