Dalbenden – „Ich war zuletzt im Sommer hier und war erschüttert über den Zustand der Grabsteine“, sagt Walter Nehlich aus Heimbach, bis vor kurzem noch Kirchmeister der Evangelischen Trinitatis-Kirchengemeinde Schleidener Tal, zu der der Friedhof Dalbenden gehört. Er will sich dafür stark machen, dass die Anlage samt Gruft vor dem Verfall bewahrt wird. Die Gräber wachsen zu, Gestein ist aus den Mauern gebröckelt, die Schriften auf den Grabsteinen sind kaum noch zu lesen.
Hilfesuchend hat sich Walter Nehlich an die Archäologin Petra Tutlies, Leiterin des LVR-Amts für Bodendenkmalpflege in Nideggen, gewandt. Sie trafen sich beide vor Ort. „Ich bin schon x-mal hier vorbeigefahren, habe den Friedhof aber noch nie gesehen“, sagte sie beim Betreten der Anlage. Sie will sich nun dafür einsetzen, dass der Friedhof unter Bodendenkmalschutz gestellt wird. Ein entsprechendes Gutachten soll erstellt werden. Der Kaller Rat müsste dann dafür sorgen, dass die Dalbendener Anlage zum Bodendenkmal erklärt wird. Als Baudenkmal ist sie bereits eingetragen.
Letzte Ruhestätte reicher Familien
Bei den Protestanten, die auf dem Friedhof beerdigt sind, handelt es sich ausschließlich um reiche Familien, meist aus Reidtmeister-Geschlechtern (Eisenfabrikanten). Hier tauchen die Namen Poensgen, Schoeller oder Peuchen auf. „Die Eifel war damals ein Wirtschaftszentrum der Eisenindustrie“, so Nehlich. Die Schoeller-Gräber wurden später nach Gemünd verlegt. Eine Metallklammer erinnert an die Stelle, wo einer dieser Grabsteine war.
Der Urfter Felizius Poth hat sich mit der Geschichte der Burg Dalbenden und des Friedhofs beschäftigt. Er berichtet, dass der Bereich links der Urft zum Kloster Steinfeld gehörte und katholisch war. Jenseits des Baches lebten die Evangelen. Sie mussten die Kirchen in Gemünd oder Schleiden aufsuchen. Wegen der großen Entfernung wurde ihnen im 17. Jahrhundert erlaubt, einen privaten Friedhof anzulegen. Hier ruht unter anderem auch die Kramer-Dynastie, aus der viele Priester hervorgingen. Der verstorbene Gemünder Heimatforscher Wilhelm Günther schreibt in seinem Aufsatz „Grabsteine des 17. und 18. Jahrhunderts auf dem evangelischen Friedhof in Gemünd“: „Der Grabstein des eigentlichen Begründers der im 17. Jahrhundert hart um ihre Existenz ringenden reformierten Gemeinde, des Pfarrers Heinrich Wilhelm Kramer, geb. in Heimbach 1638, Pfarrer von 1662 bis 1692, Verfasser mehrerer theologischer Schriften, ist vom Friedhof Dalbenden nach Gemünd zurückgebracht worden und harrt zur Zeit noch einer würdigen Aufstellung. Weitere sieben Kramersteine stehen auf dem Friedhof am Gutshof Dalbenden, der mit umfangreichem Grundbesitz und Eisenwerk der Familie Kramer gehörte.“
Die Gruft auf dem Friedhof stammt aus dem Jahr 1909 und wurde von der Familie Schulz gebaut. Ein Spross dieser Familie betrieb den Steinbruch, den später die Firma Lafarge übernahm, ein anderer verdiente sein Geld mit der Eisenverhüttung. Wie Felizius Poth anhand von Foto- und Kartenmaterial herausgefunden hat, ist heute nur noch etwa ein Fünftel des ursprünglichen Friedhofs erhalten. Der Rest ist verschwunden. Hier befindet sich heute die L 204.
Felizius Poth will sich ebenfalls für den Erhalt und die Pflege des Friedhofs stark machen. Dies scheint aber gar nicht so leicht zu sein. Er hat herausgefunden, dass der Friedhof einer Erbengemeinschaft gehört, die aus 13 Parteien besteht und in alle Himmelsrichtungen verstreut ist. Die Nachkommen leben beispielsweise in Australien, Argentinien, Brasilien oder den USA.
Er hat bereits Kontakt zur NRW-Stiftung aufgenommen. Dieser gehört der komplette Hang unterhalb der Stolzenburg bis hinunter zum Friedhof. Er wünscht sich, dass die Stiftung den Friedhof erwirbt. Dann könne dieser vor dem weiteren Verfall gerettet und saniert werden.
Petra Tutlies kann sich gut vorstellen, dass der Dalbendener Friedhof im kommenden Jahr Station der Archäologietour 2011 wird.
