Im eleganten dunklen Mantel schreitet der Schlossherr durch die hohen Räume seines noblen Anwesens. Einen tiefroten Schal hat er lässig über die Schultern geworfen. „Ich weiß gar nicht, wie viele Zimmer ich hier habe“, sagt André Rieu lachend über sein Privatschloss „De Torentjes“, das auf einem Hügel über dem niederländischen Maastricht thront. Einen Kindheitstraum hat sich der Walzerkönig mit dem Leben auf der Burg erfüllt, jetzt gibt er einen Einblicke in sein persönliches Domizil.
Hinter dicken Mauern und zwischen hohen Bäumen ragen die Giebel des alten Gebäudes hervor. Ein steiler gepflasterter Weg führt zum Eingang des Anwesens. Eine schwere hölzerne Tür wird geöffnet und man tritt ein in die Küche des weltbekannten Stargeigers. „Man sagt, dass D Artagnan hier sein letztes Frühstück gegessen hat“, erzählt André Rieu. In den gleichen Räumen wie einst einer der Musketiere steht der leidenschaftliche Hobby-Koch heute gerne selbst am Herd und verwöhnt seine Frau Marjorie und die beiden erwachsenen Söhne Marc und Pierre. Dabei kann der Maestro, der im Jahr etwa 130 Auftritte rund um den Globus absolviert, am besten abschalten. Von einer USA-Tour ist der 57-Jährige erst kürzlich zurückgekehrt.
Den gebürtigen Maastrichter - „hier will ich sterben“ - zieht es auch bald in die Domstadt: In Köln lädt der Walzerkönig seit mittlerweile sechs Jahren zum Neujahrskonzert, dieses Mal zusammen mit dem „Harlem Gospel Choir“. Auch am kommenden Neujahrstag wird die Rundschau seine beiden Auftritte in der Kölnarena präsentieren.
Seine Arbeit sieht Rieu gleichzeitig als Entspannung, etwa wenn er mit der Stradivari im Kaminzimmer sitzt und das Feuer knistert: „Ich finde es herrlich, mich mit der Geige zurückzuziehen und Technik zu üben.“ Auf diese Weise entstehen Ideen für seine Stücke, die der Geiger zusammen mit den 50 Musikern seines „Johann-Strauss-Orchesters“ im eigenen Maastrichter Studio einspielt.
Seiner Kreativität lässt der Walzerkönig aber nicht allein in der Musik freien Lauf. Als er mit seiner Familie vor zehn Jahren in „De Torentjes“ einzog, musste das 1452 begonnene Schloss saniert werden. Die Gestaltung übernahm Rieu selbst. Nach langer Restaurierung windet sich im Salon nun goldfarbener Stuck, Kronleuchter schmücken die Decke, man sitzt auf barocken Polstermöbeln. Bei einem Rundgang im Garten zeigt der Hausherr sein neuestes Projekt: einen weiträumigen Wintergarten mit hohen gotischen Spitzbogenfenstern - die Orangerie. „So ein Schloss ist eben nie fertig“, erklärt Rieu. „Wenn man vorne zu Ende ist, kann man hinten wieder anfangen.“