BONN. Der Weg nach Bonn führte 1940 über die Schienen. 67 Jahre später kommt der ehemalige Zwangsarbeiter Roman Janicki zurück zur alten Arbeitsstelle, auf das Gelände der heutigen Schauspielhalle Beuel an der Siegburger Straße. Irgendwo in Brandenburg stieg der heute 82-Jährige damals in den Zug. Geholfen haben ihm ausgerechnet die Söhne seines damaligen Peinigers - Eugen und Engelhard. Der Landwirt scheuchte ihn, drohte ihm, spätabends fiel der 16-Jährige nach harter Arbeit in den Schlaf. Für ihn als jungen Polen begann der Krieg viel zu früh. Dass er auf der Flucht in die Fänge eines Nazis geraten musste, war für ihn furchtbar.
Seine zweite Station in der alten Beueler Jutespinnerei, weg vom heimischen Zdunska Wola nahe Lódz, gefiel ihm schon besser. Aber die Jugend gibt dir niemand wieder, meint Roman Janicki. Kein Bonner Bürger habe mit den Zwangsarbeitern gesprochen, alle seien arrogant gewesen. Er empfindet Schmerzen an der Stelle in Beuel, an der sie den jungen Roman vor mehr als 60 Jahren des Nachts die Kohlen von den Güterwaggons schaufeln ließen. Heute sind andere Zeiten in Deutschland angebrochen, sagt der Pole, der nach dem Krieg nach Kanada auswanderte, versöhnlich. Zwölf Stunden schuftete er damals in Beuel täglich. Wo die schweren Webermaschinen standen, lagern heute Bühnenbilder. Holzlager steht über dem Eingang.
Ein Lkw brettert vorbei an der 23-köpfigen Besuchergruppe. Etwa die Hälfte kommt aus Polen wie Janicki, der Rest aus der Ukraine, der früheren Sowjetunion. Mehrere Generationen stehen dort, denn auch Söhne und Töchter möchten sich anschauen, wo die Eltern die NS-Zeit verbracht haben. Auf Einladung der Stadt Bonn besichtigen sie unter anderem die alte Jutespinnerei, bevor sie gestern in ihre Heimat zurückkehrten.
Heute empfinde ich keinen Hass mehr gegenüber den Deutschen, betont Olga Bilan aus Kiew. Die 81-Jährige war voller Angst, als sie 1942 von den Deutschen vom Sammellager in Kiew nach Bonn gefahren wurde. Dort schuftete sie in der Fahnenfabrik. Ich war klein und hatte Probleme, die langen Masten zu waschen. Etwas Erfreuliches hatte der erzwungene Aufenthalt dann doch, wenn auch mit unschönem Ende. Bilan, die gebürtig Schumejko heißt, lernte ihren Mann bei der Arbeit kennen. Die beiden wurden allerdings getrennt. Seine Spur verlor sich 1947 in der Sowjetunion.